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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert

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Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert.

andererseits der Umstand, daß gerade die einflußreichsten Künstler damals in allen Zweigen thätig waren, und die Bildner selbst auch malten. Es ist nun natürlich, daß bei solchen Meistern immer die Formgebung jenes Kunstzweiges, in welchem sie ihre beste Kraft verwandten und somit am erfolgreichsten waren, auch auf den anderen Gebieten bestimmenden Einfluß hatte.

Pollajuolo. - Verrocchio. Die beiden Brüder, Andrea und Piero Pollajuolo, dann Andrea del Verrocchio, - deren Namen auch bei der Baukunst und Bildnerei genannt wurden - gehörten zu dieser Gruppe. Sie waren von Haus aus Goldschmiede, also Metallbildner, und konnten ihre Erziehung um so weniger verleugnen, als sie mit ihren bildnerischen Arbeiten ihren Ruhm begründet hatten. Das Malen stand bei ihnen erst in zweiter Linie; da sie bei ihrem hohen Ansehen aber einen großen Kreis von Schülern hatten, - weil diese der damaligen Anschauung entsprechend auch in allen Zweigen sich ausbilden wollten und daher dorthin gingen, wo man "alles" lernen konnte - so wurden sie eben auch Lehrmeister der Malerei. Die minder Begabten blieben in der Weise der Lehrer befangen, die selbständigen Naturen machten sich frei.

Von den Vorgenannten ist Verrocchio der weitaus bedeutendere als Bildner wie als Maler, und als letzterer auch deshalb verdienstlich, weil aus seiner Schule Lionardo da Vinci hervorging. Wie weit ihn der Schüler an rein malerischer Begabung und an Schönheitsgefühl übertraf, zeigt das Bild "Taufe Christi", in welchem Lionardo seinen anmutigen Engel neben die in ihrer ungemilderten "anatomischen" Naturwahrheit herben Gestalten Verrocchios hingesetzt hat. (Fig. 355.)

Neue Malweisen. Um diese Zeit beschäftigte auch eine die Malweise betreffende Neuerung die Künstlerschaft. Bisher hatte man bei Tafelbildern die sogenannte Tempera-Malerei angewendet, welche darin besteht, daß die erdigen Farben in Leimwasser und Honig angerieben werden. Die Verwendung von Oel und Harz kannte man allerdings auch, aber sie fand nur in untergeordneter Weise statt. Dann war um 1420 in den Niederlanden die Oelmalerei aufgekommen, d. h. als Bindemittel der Farbe wurde ausschließlich Oel statt Leim u. dgl. genommen. Diese "Erfindung" war auch in Italien bekannt geworden - hauptsächlich durch Antonello da Messina - und erregte um so lebhafter die Gemüter, als man sich schon längere Zeit bemüht hatte, den vielfachen Mängeln der Tempera-Weise (geringe Wetterbeständigkeit, die Unmöglichkeit vor Eintrocknen der Farbe mit einer anderen

^[Abb.: Fig. 352. Filippo Lippi. Gastmahl des Herodes.

Prato. Dom.]