Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert

368

Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert.

Aufgaben sachlicher, mit gedanklicher Ueberlegung und Erwägung auffaßt. Im Grunde steht er daher höher und ist als jener Meister zu betrachten, welcher in Wahrheit für die Florentinische Kunst die von Masaccio angebahnte Entwicklung im Geiste des 15. Jahrhunderts zum Abschluß bringt, indem er das Wesentliche der verschiedenen Richtungen im Sinne des rein Malerischen, also der eigentlichen Farbenkunst, zum Ausgleich führt.

Ghirlandajos umfangreichstes Werk sind die Wandgemälde im Chor von St. Maria Novella, unter welchen "Zacharias im Tempel" (Fig. 360) die oben erwähnten Eigenheiten des Meisters veranschaulicht. Die vornehme Ruhe der Gestalten, die nichts Steifes an sich haben, sondern angeboren erscheint, und die würdevolle Schönheit in den Formen treten besonders hervor. Von seinen Tafelbildern ist das Altarbild von obiger Kirche (jetzt in München) wohl das bedeutendste, auch hier ist das Feierliche der Hauptzug, und wenn man die Maria mit einer von Botticellis Madonnen vergleicht, wird man den Unterschied zwischen beiden leicht erkennen. (Fig. 361.) Auch Ghirlandajo hebt sie nicht über das Menschliche hinaus, aber er giebt sie als Fürstin, welche ihre innere Bewegung zu beherrschen gewohnt ist, während Botticelli das "Weibliche an sich" mehr hervorkehrt und den Ausdruck der Gefühle nicht durch Würde, sondern durch sanfte Ergebung - man könnte sagen: weibliche Schwäche - gemildert erscheinen läßt.

***

Siena. Im 14. Jahrhundert war die Malerei Sienas noch im stande gewesen, auf die Florentiner einen gewissen Einfluß zu üben; im 15. ist sie ganz bedeutungslos geworden, weil sie von jedem Fortschritt sich abschloß, vielmehr auf die Vergangenheit zurückgriff. Vielleicht war es der Groll auf die glücklichere Nebenbuhlerin, welcher die Sienesen bestimmte, von den Florentinern nichts lernen zu wollen, jedenfalls lag es aber auch an dem politischen Niedergang der Stadt, daß auch das Kunstleben verfiel. Selbst der Vorzug, den die Sienesen im 14. Jahrhundert hatten, der Zug nach dem Schönen,

^[Abb.: Fig. 356. Botticelli. Der Frühling.

Florenz. Gemälde-Galerie.]