Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert

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Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert.

Pinturicchio. Neben ihm erscheint sein Zeitgenosse und Gehilfe Bernardino Vetti, genannt Pinturicchio (1454 bis 1513), ziemlich unbedeutend, obwohl seine Arbeiten einen liebenswürdigen Zug besitzen und er in der Farbe - er blieb bei der Temperamalerei - kräftige und warme Töne giebt, die an seinen größeren Genossen erinnern. (Fig. 366.)

Unter den ungemein zahlreichen Schülern und Gesellen Peruginos treten - außer Raphael - nur wenige durch bedeutsamere Werke hervor, zu den besseren gehörten Giovanni di Pietro lo Spagna und Battista Bertucci. Das Hauptverdienst dieser Nachfolger liegt wohl darin, daß sie die Kunstweise Peruginos verbreiteten.

Die umbro-florentinischen Meister. Die zwei miteinander wetteifernden Kunstmittelpunkte, Florenz und Perugia, zogen, wie erwähnt, weite Kreise in ihren Bann, dennoch konnte sich zwischen ihnen eine Gruppe behaupten, welche von bemerkenswerter Eigenart blieb, wenn sie auch von beiden Seiten Anregungen aufnahm. Man bezeichnet diese Gruppe gewöhnlich als die "umbro-florentinischen Meister", was sowohl hinsichtlich der Wohnsitze derselben wie betreffs der Kunstweise gerechtfertigt ist. Es sind hauptsächlich drei Künstler, die zu einer selbständigen kunstgeschichtlichen Bedeutung sich erhoben, obwohl natürlich ein weitreichender Einfluß ausgeschlossen blieb, da jener der vorgenannten Hauptstätten und dann Roms doch zu mächtig war. Ihr Wert liegt eben in der persönlichen Eigenart, durch welche sie sich von den vielen Nachfolgern und Nachahmern der anderen Richtungen vorteilhaft unterscheiden.

Piero della Francesca. Dieser Meister (1423-1492), der auch ein verständiges Lehrbuch über Malerei schrieb, war als Gehilfe Domenico Venezianos mit der florentinischen Kunstrichtung vertraut gemacht worden, von welcher ihm die auf rücksichtslose Naturwahrheit abzielende am meisten zusagte. Mit eindringendem Verstand und scharfer Beobachtungsgabe ausgestattet, brachte er es auch zu einer hohen Fertigkeit in der Wiedergabe der

^[Abb.: Fig. 359. Filippino Lippi: Disputation des hl. Thomas v. Acquino.

(Ausschnitt.) Rom. St. Maria sopra Minerva.]

^[Abb.: Fig. 360. Ghirlandajo: Zacharias im Tempel.

Florenz. St. Maria Novella.]