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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert

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Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert.

Vorzüge, wie sie ein fleißiger und geschickter Meister, der einen offenen Blick hat, sich aneignen kann.

Giovanni Bellini. Von Mantegna und Antonello da Messina hatte nun auch Giovanni Bellini gelernt, ging aber dann seinen eigenen Weg. Er übernahm nur die Ausdrucksmittel, um sie im selbständigen Geiste zu verwenden. Wir finden bei ihm den schönen Einklang von Form und Inhalt, das Maßhalten in der Wiedergabe der Wirklichkeit, vor allem aber das, was die venezianische Kunst dann am höchsten ausbildet: die meisterhafte Farbengebung, deren Glanz und Schmelz von unendlichem Reiz ist. Die Schärfe der Linien, wie sie Mantegna hatte, ersetzt er durch eine Weichheit der Formen, welche, ohne der Naturwahrheit zu widersprechen, seinen Gestalten einen Adel und eine Schönheit verleihen, welche sie über das Gewöhnliche weit hinaus erhebt.

In dieser "Erhebung", die in den körperlichen Formen wie in dem geistigen Ausdruck sich kundgiebt, liegt der Schwerpunkt der Bellinischen Auffassung. Seine Madonnen und Heiligen bleiben zwar Menschen, aber sie sind eben "geheiligt". Das edle Maßhalten ist nicht minder beachtenswert. Er schildert weder stürmische Leidenschaftlichkeit, noch Verzückung, aber für die tiefe und starke innere Bewegung einer hohen Seele findet er den vollendeten Ausdruck. In der Anordnung der Gruppen, in der feinen Berechnung der Licht- und Raumwirkung, in der großzügigen sicheren Zeichnung ist er für die venezianische Malerei ebenso bahnbrechend, wie hinsichtlich der reinen Farbenkunst. Es ist einigermaßen schwer, unter seinen zahlreichen Werken ein "bestes" zu nennen, und unmöglich auch, an einer farblosen Abbildung den hauptsächlichsten Reiz des Urbildes - die Farbenstimmung

^[Abb.: Fig. 369. Melozzo: Papst Sixtus IV. und sein Neffe.

Aus dem Bilde: Gründung der vatikanischen Bibliothek. Rom. Vatikan.]