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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Zeit der "Renaissance"

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Die Zeit der "Renaissance".

fügung. Neue Formen kamen an ihr noch nicht zur Anwendung. Es handelte sich um die unlösbar scheinende Aufgabe, den achtseitigen Hauptraum des Domes, ohne Anwendung eines von unten aufsteigenden Gerüstes, mit einer Kuppel zu schließen. Während 16 Jahren (seit 1420) arbeitete er an diesem Werk, welches erst nach seinem Tode gänzlich vollendet wurde, nachdem Brunellesco noch kurz vorher im Wettbewerb um die krönende Laterne den ersten Preis erhalten hatte.

San Lorenzo. Kapelle der Pazzi. Die neuen Formen kamen an den fast gleichzeitig mit der Domkuppel begonnenen Bauten von San Lorenzo und der Kapelle der Pazzi zur ersten Anwendung. Bei San Lorenzo wurde von Brunellesco (seit 1425) zunächst die "alte Sakristei", die zugleich als Begräbniskapelle dienen sollte, ausgeführt; nach deren Vollendung dann die Kirche in Angriff genommen. Die Anlage derselben ist noch jene der Säulen-Basilika, doch wird sie in ganz anderer Weise als bisher behandelt. Das Mittelschiff wurde flach gedeckt, die Seitenschiffe aber, um welche sich kleine Kapellen in Nischenform zogen, sind gewölbt, und über der Vierung erhebt sich eine Kuppel. Die Säulen erhielten ein würfliges Gebälkstück über korinthischen Kapitälen. Am meisten sprach sich das "Neue" in der Sakristei aus, deren Kuppel sich vielseitig über einem Viereck erhebt. An der nicht vollendeten Außenseite verwendete Brunellesco in schlichter Weise römisches Gebälk. (Fig. 399.)

Das erste Beispiel einer Kirche mit Zentralanlage, welche durchwegs neue Gedanken, die freie selbständige Verwertung antiker Formen, zeigt, ist jedoch die Kapelle der Pazzi im Klosterhof von Santa Croce (erbaut um 1430), ein kleiner, überaus zierlicher und geschmackvoller Bau. (Fig. 400.) Hier erscheint somit der neue Renaissancestil schon völlig ausgebildet. Das Innere der Kuppel ist zwölffächerig. Dem Aeußeren ist eine kleine, mit Tonnengewölben gedeckte Halle vorgelagert. Die Unterbrechung des geraden Gebälkes in der Mitte der sechs korinthischen Säulen ist äußerst reizvoll.

Palazzo Pitti und Pazzi. In weltlichen Bauten konnte sich der "heidnische" Geist naturgemäß freier entfalten; der Künstler war an keine Vorschriften gebunden, sobald nur sein Plan dem Auftraggeber gefiel - und die Baugelder nicht ausgingen. Der letztere Uebelstand trat leider häufig ein, so daß viele Bauten unvollendet blieben oder nicht im

^[Abb.: Fig. 422. Sangallo: Palazzo Farnese.

Rom.]