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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Zeit der "Renaissance"

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Die Zeit der "Renaissance".

Alberti setzte seine Erfahrungen nicht gleich in die That um, sondern gab seinen Ansichten und Absichten (neben anderen Werken über Malerei und Bildnerei) zunächst in einem Buche "Ueber die Baukunst" Ausdruck. Seine Lehren behandelten ausführlich die Verhältnisse der Bauwerke, sowohl des Ganzen wie der einzelnen Teile, welche er zu schönstem Zusammenklang zu bringen suchte. Bei seinen Bauten verzichtete er aus Grundsatz auf die selbstthätige Teilnahme ("es ist des Architekten unwürdig, seine Bauten selbst auszuführen") und beschränkte sich auf den Entwurf und die geistige Leitung.

Palazzo Rucellai. (Fig. 404.) Sein Hauptwerk im Palastbau, Palazzo Rucellai, zeigt eine wichtige Neuerung, mit welcher er eine Vermittelung zwischen den Rustikabauten und seinen neuen, aus der Antike geschöpften Formen versucht: Er ordnet als Erster zwischen den Fenstern und an den Ecken die Wandpfeiler (Pilaster) ein. Das Bossenwerk verliert seine kräftige Derbheit und wird durch feine Ausführung zum Schmuckwerk, welches an Bedeutung hinter den Wandpfeilern zurücktritt und nicht mehr für den Ausdruck des Ganzen bestimmend ist. Schön gegliederte Gesimse, mit geschmückten Bändern zwischen sich, teilen die Außenseite in nach oben an Höhe abnehmende Stockwerke. Mit ihnen gleichmäßig schwindet die Höhe der Fenster und Pfeiler; letztere zeigen in jedem Stockwerk verschiedene Kapitäle.

San Francesco in Rimini. (Fig. 405.) Der Kirchenbau San Francesco zu Rimini, an welchem Alberti seinen Grundsatz, "römische Bauten wiederzuerwecken und nicht nur ihre Einzelheiten zu verwenden" (in Anlehnung an einen römischen Siegesbogen), zur praktischen Anwendung bringen wollte, ist nicht vollendet worden. Auch dabei handelte es sich nur um Aeußerliches, indem nicht ein völliger Neubau aufgeführt, sondern nur die alte gotische Kirche mit einem neuen Gewande bekleidet werden sollte. Die Ausführung der geplanten großen Kuppel unterblieb ganz, und das Obergeschoß der Außenseite wurde nicht vollendet. In Befolgung einer seiner Hauptregeln, nach welcher Säulen nicht als Bogenstützen verwendet werden dürfen, gab er den Bogen an der Außenseite Pfeiler als Träger. Die Säulen tragen nur wagerechtes Gebälk, hier in Form von Gesimsen. Alberti war leider zu viel Theoretiker, deshalb konnten nur wenige seiner Lehren zur thatsächlichen Anwendung kommen; vieles blieb nur auf dem Papier stehen. Die meisten geplanten Bauten kamen nicht zur Vollendung oder überhaupt gar nicht zur Ausführung.

San Andrea in Mantua. Santa Maria Novella in Florenz. Bemerkenswert ist noch das Aeußere der

^[Abb.: Fig. 424. St. Peter in Rom.

(Gesamtansicht.)]