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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Zeit der "Renaissance"

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Die Zeit der "Renaissance".

Seine baukünstlerischen Gedanken brachte Rafael übrigens auch auf seinen Gemälden zum Ausdruck, wie denn überhaupt für die Beurteilung der Ziele und Pläne der Renaissance-Baukunst außer den Entwürfen der Baumeister auch die zeitgenössischen Gemälde in Betracht zu ziehen sind. Bei den auf letzteren dargestellten Gebäuden haben auch Künstler, die selbst nie als Baumeister thätig waren, einen Gedankenreichtum und Erfindungsgabe in baukünstlerischer Hinsicht entfaltet, welche dafür zeugen, wie einheitlich der Kunstgeist dieser Zeit war und wie diese Renaissance-Menschen die Kraft besaßen, alle Gebiete der Kunst zu beherrschen. Dasselbe gilt - freilich im beschränkteren Maße - auch von den Werken der Bildnerei, besonders der Flachbildnerei.

Peruzzi. Der eben erwähnte Sienese Peruzzi hatte, wenn wir von der Villa Farnesina absehen, keine Gelegenheit, durch Umfang bedeutende Werke zu schaffen, für welche er, wie seine geistreichen Handzeichnungen beweisen, ausgezeichnete Begabung besessen hatte. Diese tritt aber auch in den bescheideneren Bauten hervor, die von ihm in Siena und Rom herrühren, z. B. dem reizend zierlichen Säulenhofe San Caterina oder in dem Palazzo Massimi alle Colonne, bei welchem er sich als Meister in der Anpassung an ungünstige Lage und Raumverhältnisse erwies, da der Bau in einer engen Gasse gerade an einer Biegungsstelle liegt.

Sangallo. Von Antonio da Sangallo dem Jüngeren ist das berühmteste Werk der nach seinem Tode von Michelangelo vollendete Palazzo Farnese in Rom (Fig. 422). Zur schönen Gesamtwirkung hat Michelangelo mit dem prächtigen Kranzgesimse viel beigetragen. Im Einzelnen weist der Palast manche Verstöße gegen den guten Stil auf, so sind die Fenster zu klein und zu zahlreich, auch wirkt die Wiederholung der Konsolen des Gesimses der unteren Fenster am oberen Abschluß derselben ungünstig. Im Ganzen aber giebt sich der Ausdruck stolzer Kraft und das Streben nach dem Eindruck des Großartigen und Ueberwältigenden kund.

Giulio Romano. Der Hauptschüler Rafaels, Giulio Romano, war vornehmlich als Erbauer von Palästen thätig. Sein bestes Werk ist das eigene Wohnhaus des Künstlers zu Mantua, sein umfänglichstes der Palazzo del Te (Tajesso) ebendort (Fig. 423). Dieser zeigt, welche Entwicklung der Stil Bramantes bei den späteren Nachfolgern zu nehmen beginnt. Die Willkürlichkeit siegt über die Gesetzmäßigkeit; der äußeren Wirkung zuliebe wird der künstlerische Adel, der in Einfachheit liegt, geopfert. Alles zielt auf Augentäuschung ab, und dem entspricht es nur, wenn jetzt auch beim Bossenwerk der echte Stein durch Mörtelbewurf - die sogen. Putz-Rustika - ersetzt wird. Der hervorragendste Teil ist die Gartenhalle; am erfreulichsten wirkt der bildnerische Schmuck und das Zierwerk, das vornehme Formen aufweist; die Wandmalereien dagegen zählen zu den Kunststücken, in welchen sich der Hang zum Ausschweifenden und Abenteuerlichen kundgiebt. - Giulio Romano erscheint manchmal beinahe schon "barock"; ebenso wenig wie Michelangelo hielt er sich strenge an die Antike, wenn er auch nicht in dem Maße, wie dieser, seine eigene Freiheit behauptete. Die Anordnung behandelt er vom malerisch-ziervollen Standpunkt aus.

Bemerkt mag noch werden, daß die römische Schule Raphaels das Hervorragendste in Villenbauten leistete, die

^[Abb.: Fig. 437. Donatello: S. Georg.

Florenz. Nationalmuseum.]