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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Zeit der "Renaissance"

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Die Zeit der "Renaissance".

geschieht, und doch ist alles so maßvoll, ohne jede äußerliche heftige Bewegung. - Zeitlich gehören die schon besprochene "Madonna mit dem Buche", wie jene zu Brügge hinter das folgende Werk, mit dem die Reihe der Jugendwerke abschließt: dem "David". Dieser vertritt jedoch eine ganz andere Seite Michelangelos: das Ringen mit der Form, um in dem Ganzen des Körpers das Seelische, die innere Bewegung des Geistes und Gemütes zum Ausdruck zu bringen.

Der Körper des David zeigt die Ungelenkheit, die der männlichen Jugend anhaftet. Die Hände und Füße sind groß, wie sie schon Verrocchio in seinem David bildete. Es ist der Augenblick vor dem Wurf gewählt, in dem David, den Angriff des Riesen erwartend, in ruhigem, selbstbewußtem Kraftgefühl die Schleuder in Bereitschaft hält. Im Gesicht prägt sich ruhige, abwägende Entschlossenheit aus. Vom Standpunkte der Handfertigkeit aus ist der David insofern ein Kunststück, als er aus einem, zum Teil schon von einem anderen Künstler und für eine andere Arbeit behauenen Marmorblock gemeißelt wurde.

Den letzten Schritt zur Vollendung machte Michelangelo in den Bildwerken für das Juliusgrab, die etwa 1512 in Rom in Angriff genommen wurden. Nach dem ursprünglichen Plane wollte Michelangelo ein Werk schaffen, welches an Gewaltigkeit ebenso alle Bildnerei übertreffen sollte, wie die Peterskirche alle Bauten. Das Grabmal war als freistehender Bau mit mehreren Geschossen gedacht. Am unteren Teil sollten gefesselte Gestalten - die "Sklaven" - die eroberten Provinzen verkörpern, den Oberbau neben dem knienden, von zwei Engeln gehaltenen Papste sinnbildliche und biblische Gestalten und die Madonna schmücken. Im ganzen waren über 40 Standbilder, abgesehen von den Flachbildern, in Aussicht genommen. - Von all dem Geplanten wurde nur ein Bruchteil fertig, von dem auch nur das Standbild des "Moses" an dem Denkmal in seiner heutigen Gestalt Verwendung fand.

Man kann sich einen ungefähren Begriff von der Großartigkeit der Anlage machen, wenn man bedenkt, daß diese Gestalt für das Obergeschoß bestimmt war. Der Moses ist wohl die großartigste Schöpfung Michelangelos; er ist in dem Augenblick heftigster innerer Erregung dargestellt, in welchem er die Anbetung des goldenen Kalbes erblickt und aufspringen will, um seinem ungeheuren Zorn Luft zu machen, welcher die ganze Gestalt von der Stirne bis zu den Fußspitzen durchdringt. Es ist die Leidenschaftlichkeit eines "Ueber-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 468. Michelangelo: Grabmal des Lorenzo Medici.

Florenz. S Lorenzo.]