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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Zeit der "Renaissance"

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Die Zeit der "Renaissance".

Vorzug, zumal sich immer auch eine gefällige Wirkung damit verbindet. - Hinsichtlich der Wohnhäuser zeigt auch jede Stadt eine besondere örtliche Eigenart. Am reichsten entfaltete sich diese Bauweise in den süddeutschen Handels- und in den Hansastädten; in der Neuzeit ist freilich viel davon verschwunden, am besten bewahrt ist die deutsche Renaissance-Eigenart noch in Nürnberg (Fig. 474), dann in Bremen und Danzig. Für den obenerwähnten Fachwerkbau finden sich schöne Beispiele in Braunschweig, Hildesheim, dann in der Altstadt Stuttgarts.

Schloßbauten. Prunkvoller als die bürgerlichen Bauten, die ja mit beschränktem Raume zu rechnen hatten und sich gegebenen Verhältnissen anpassen mußten, erscheinen natürlich die Schloßbauten. Mit dem Ausgang des 15. Jahrhunderts vollzog sich auch die Umwandlung der wehrhaften Burgen in Schlösser. Mehr vielleicht noch als der "ewige Landfrieden" von 1495, durch welchen das Fehderecht der Ritter und Herren abgeschafft wurde, trug dazu die Umgestaltung des Kriegswesens durch das "Schießpulver" bei; denn Kanonen gegenüber konnten die alten Burgen nicht standhalten. Bei Neubauten ließ man daher die Rücksicht auf die Wehrhaftigkeit fallen und nahm mehr Bedacht auf die Bequemlichkeit, in welcher Hinsicht sich ja auch die Ansprüche gesteigert hatten, und auf prächtiges Ansehen.

Der Uebergang vollzog sich allerdings allmählich, da ja vielfach die alten Burgen nur umgebaut wurden, wobei die Grundanlage erhalten blieb und mehr nur das Aeußere neue Gestaltung erhielt. Bei Neubauten wird jedoch bereits auf Regelmäßigkeit des Grundplanes und Geräumigkeit gesehen. Das Schloß erhält einen großen Hof, breite Gänge, auf welche die einzelnen Gemächer ausmünden (bei den Burgen gingen sie ineinander, d. h. die ganze Flucht hatte nur einen oder zwei Ausgänge ins Freie); ein weiträumiger Festsaal und eine Schloßkapelle dürfen nicht fehlen, statt der Wendeltreppe kommen allmählich die breiten Freitreppen in Aufnahme.

Otto Heinrichsbau in Heidelberg. (Fig. 475.) Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden vielfach italienische Baumeister berufen, welche ihre heimische Art einführten und die eigentliche deutsche Renaissance-Bauweise in den Hintergrund drängten. Zu den frühesten Werken der letzteren zählen das von Kaiser Ferdinand I. erbaute Belvedere auf dem Hradschin in Prag und das Schloß von Tübingen (in seinen Hauptteilen). Der bedeutendste und schönste Bau, welcher alle Eigenschaften des neuen Stiles in prächtiger Vollendung zeigt, ist der Otto Heinrichsbau des Heidelberger Schlosses (1556-59). Ebenmäßigkeit der Verhältnisse und der Gliederung, die Zierlichkeit in der Gestaltung der Einzelheiten -

^[Abb.: Fig. 477. Fürstenhof zu Wismar.]