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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Zeit der "Renaissance"

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Die Zeit der "Renaissance". ^[Titel nicht im Original]

d. Spanien.

Selbständigkeit der spanischen Renaissance. Willigere Aufnahme fand die neue Richtung dagegen auf der pyrenäischen Halbinsel in Spanien und Portugal. Eigentlich kann man nicht von einer "Uebernahme" reden, da die spanische Renaissance zum größten Teile selbständig sich entwickelte. Ich habe schon seinerzeit erwähnt, daß die Gotik auf der pyrenäischen Halbinsel ihre besonderen Eigentümlichkeiten gewonnen hatte, da sie maurische Formen aufnahm und überhaupt das Schmuckhafte in den Vordergrund stellte. Die bestehende Neigung, alles, was die Pracht der äußeren Erscheinung steigern konnte, zu benutzen und den Schatz an Zierformen zu bereichern, begünstigte natürlich das Eindringen antiker Grundzüge.

Durch die Heirat Ferdinands von Arragonien mit Isabella von Castilien waren die beiden mächtigsten Königreiche der Halbinsel vereinigt worden. Dann folgte die Eroberung des letzten maurischen Staates, Granada, auch Navarra und Neapel gerieten unter die Botmäßigkeit des arragonischen Königshauses und schließlich brachte diesem die Entdeckung Amerikas eine neue Quelle der Macht. Mit Beginn des 16. Jahrhunderts schickt sich Spanien an, die Stellung einer Weltmacht sich zu erobern, innerhalb fünfzig Jahren hatte es in der That diese erreicht und beherrschte mit seinem Einfluß alle europäischen Verhältnisse.

Dieses rasche Emporkommen zu Macht und Reichtum mußte natürlich auf die Kunst eine starke Rückwirkung üben. Der stolzen Prachtliebe standen jetzt auch reiche Mittel zu Gebote. Schon Ferdinand und Isabella hatten die Kunst begünstigt und wie bei jedem aufstrebenden Volke alle geistigen Kräfte frei werden, so nahm auch in Spanien der Kunstgeist einen hohen Aufschwung. Wenn auch die politischen Beziehungen zu Italien es mit sich brachten, daß dessen Kunstrichtung eingehender beachtet wurde, auch Künstler von dorther ins Land kamen, so bedurfte es doch solcher Einflüsse nicht, um eine den neuen Verhältnissen entsprechende Kunstweise zu begründen. Die einheimischen Künstler besaßen genügende Befähigung und geistige Schwungkraft dazu, zumal es sich zunächst garnicht darum handelte, vollständig mit der bisherigen Art zu brechen.

Kirchenbauten. Plateresken-Stil. Bei den Kirchenbauten hielt man vorerst noch an dem gotischen Stil fest, da er in der hierorts ausgebildeten Art ohnehin genügende Prachtentfaltung gestattete, aber für die Paläste, öffentliche Gebäude und namentlich für die Klöster wurde ein neuer Stil geschaffen, welcher der fruchtbaren, überquellenden Erfindungsgabe der spanischen Baukünstler an großartigem Prunk, an sinnfälligem, dichterischem Reiz, hinreißendem Schwung und an unendlicher

^[Abb.: Fig. 502. Haus des Pilatus.

Sevilla.]