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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei des 16. Jahrhunderts

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Die Malerei des 16. Jahrhunderts.

der Madonna vor"; die Mutter Gottes und das Christkind sind von seltener Anmut. Einen nachhaltigen Eindruck macht auch das prächtige Gemälde "Justina mit dem Einhorn" in der Wiener kaiserlichen Gemäldesammlung.

Auch in Bildnissen hatte Moretto Vorzügliches geleistet, auf diesem Gebiete wurde er jedoch noch von seinem Schüler Giambattista Moroni (1525 bis 78) übertroffen, der ein Meister in der schlichten naturtreuen Wiedergabe der Persönlichkeit ist. Er stellt sie ohne jede gesuchte oder gezierte Haltung dar, so wie sie im gewöhnlichen Leben unbefangen sich giebt, und erreicht dadurch einen Grad von Wahrhaftigkeit, der kaum höher sein könnte. Die Formen sind bestimmt, ohne hart zu sein, in der Farbe behält er den hellen silbergrauen Ton seines Lehrers bei, dessen Vorbild er auch in der vornehmen Ruhe seiner Gestalten folgt.

Venetianische Schule. - Lorenzo Lotto. Bordone. Bonifacio. Während bei der römischen, florentinischen und mailändischen Schule verhältnismäßig bald der Niedergang eintritt, zeigt die venetianische eine erfreuliche Lebenskraft. Neben und nach den Großmeistern erscheinen noch eine Reihe künstlerischer Persönlichkeiten von ansehnlicher Bedeutung, und auch die Gefolgschaft erhält sich länger frei von flauer und flacher "Manier". Der Grund dieser Erscheinung mag wohl darin zu suchen sein, daß in Venedig die "Farbe" in erster Linie stand und in dieser Hinsicht eine besondere Begabung dem ganzen Geschlechte der Künstler zu eigen blieb.

Unter den Aelteren, den Mitschülern Palmas und Tizians, tritt als eine merkwürdige Erscheinung Lorenzo Lotto (1476-1555) entgegen, der anscheinend alle Eigenschaften besaß, um es zu gleicher Höhe wie die Vorgenannten zu bringen, doch leider auch jene der Unbeständigkeit und Unselbständigkeit. Dieser Mangel an Selbstzucht machte ihn allzu empfänglich für fremde Einflüsse, denen er sich auf seinen rastlosen Wanderfahrten hingab. Was er da an Eigenheiten bei anderen sah, wollte er sich aneignen, vermochte aber nicht, es in eigenem Geiste zu verarbeiten. Seine zahlreichen Werke sind daher erheblich von einander verschieden, und man findet in denselben nach einander die Züge fast aller maßgebenden Meister, ebensowohl Raphaels wie Correggios, Palmas und Tizians. Der letztere wirkte in den späteren Jahren am stärksten auf ihn ein, sodaß Lotto schließlich ganz seine Eigenart einbüßte. Immerhin gehören seine Bilder zu den wertvolleren jener Zeit und verdienen hauptsächlich deshalb Beachtung, weil die siegreiche Kraft der venetianischen Farbenkunst in ihnen hervortritt.

Unter den "abhängigen" Schülern Tizians sind nur Paris Bordone - wegen seiner reizvollen Frauenbildnisse - und die Familie der Bonifacio hervorzuheben. Diese stammte aus Verona; Bonifacio Veronese der Aeltere war frühzeitig nach Venedig gekommen und hatte sich hier derart in die Kunstweise der drei Hauptmeister, vor allem aber Tizians, eingelebt, daß viele seiner Werke lange diesem zugeschrieben wurden. Auch Bonifacio II.,

^[Abb.: Fig. 560. Moroni: Bildnis des Giov. Ant. Pantera

Florenz. Uffizien.]