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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei des 16. Jahrhunderts

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Die Malerei des 16. Jahrhunderts.

es jedoch vor, 1507 nach der Heimat zurückzukehren und hier die gewonnenen Fortschritte und Eindrücke zu verwerten.

Noch im selben Jahre entstanden die Bilder "Adam und Eva", bei welchen er seine eifrigen Venetianer Naturstudien in der Behandlung und Durchbildung des Nackten verarbeitete. Das nächste bedeutsame Werk war dann das große Altarbild "Maria Himmelfahrt" für den Frankfurter Kaufmann Heller (1509), welches Dürer selbst für sein bestes Kirchenbild hielt. Leider ist das Mittelstück, welches in das königliche Schloß von München gekommen war, 1674 bei einem Brande vernichtet worden, und die beiden noch vorhandenen Flügel sind hauptsächlich von Gesellen ausgeführt worden.

Dem erwähnten Hellerschen Altarwerke in der Ausführung ebenbürtig, nur von kleinerem Umfang und einfacherer Anordnung ist jedoch das in Wien befindliche Gemälde "Anbetung der heiligen Dreifaltigkeit", das 1511 vollendet wurde. Man hat dieses Bild wiederholt mit Raphaels Disputà verglichen, mit welchem es in der That in Anordnung und Inhalt viel Verwandtschaft zeigt (Fig. 568.) In beiden handelt es sich um die Verherrlichung des religiösen Gedankens "der Erlösung der Menschheit". In dem Glauben an die göttliche Dreieinigkeit vereinigen sich alle Stände und alle Zeiten, der Mittelpunkt der ganzen Welt ist der Erlöser: das ist der Grundgedanke, welcher hier wie dort durch die Vorführung der Gestalten von Propheten, Erzvätern und Heiligen, Päpsten und Königen und Vertretern aller Volkskreise ausgedrückt wird. In der weiteren Ausführung sehen wir jedoch erhebliche Unterschiede. Raphael giebt den Erlöser in der Verklärung. Dürer stellt ihn auf dem Kreuze dar; dort kommt also nur die ruhige himmlische Schönheit, hier das zwar ergreifendere, aber doch auch peinlich wirkende Leiden zum Ausdruck. Die gleiche Verschiedenheit der Stimmung finden wir in dem Kreise der Menschen. Bei Raphael beseelt sie leidenschaftliche Begeisterung, bei Dürer tritt die innige Empfindung des Gemütes hervor; dem italienischen Meister ist der Glaube mehr eine Sache des Verstandes, dem Deutschen ein Bedürfnis des Herzens. Die Gestalten der Disputà sind heitere und vornehme Renaissancemenschen, die über die gemeine Not des Irdischen sich erhoben haben; bei Dürer tragen alle mehr oder weniger die Spuren des Daseinskampfes und gewissermaßen "bürgerliche" Züge.

Man ersieht aus diesen Andeutungen, wie die beiden Werke nicht nur die Verschiedenheit der künstlerischen Persönlichkeiten,

^[Abb.: Fig. 569. Dürer: Madonna mit dem Apfel.

Wien. Kaiserl. Gemäldesammlung.]

^[Abb.: Fig. 570. Dürer: Geburt Christi.

München. Pinakothek.]