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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

man hält sich nicht an derart bestimmte Grundsätze wie im romanischen oder gotischen Zeitalter. Man findet daher so ziemlich alle Planformen vertreten, wie sie eben die Verhältnisse oder auch die Laune forderten. Als eine Neuerung erscheinen nur bisweilen Grundrisse, welche durchwegs krumme oder geschwungene Linien aufweisen, wie beispielsweise S. Carlo in Rom, S. Lorenzo und Madonna della Consolata in Turin. Die meisten Kirchen sind Kuppelbauten nach dem Vorbilde der Peterskirche; eine andere nicht seltene Form besteht in einem breiten Schiffe, das mit einem Tonnengewölbe überspannt ist, und von dem seitlich Kapellen ausspringen, der Altarraum ist halbrund abgeschlossen. Die Türme sind in der Regel viereckig und haben ausgebauchte Dächer (Zwiebeldach). Bei den Säulen werden ebenfalls alle bisher bekannten Ordnungen und Formen angewendet. Beliebt sind gewundene Säulen; als eine ganz abenteuerliche Abart tauchen sogar "sitzende" Säulen auf, deren Schaft unten gebogen ist und welche sitzende Karyatiden nachahmen sollen. Die Aufgabe, als tragende Stützen zu dienen, tritt eben hinter jener, als Schmuck zu wirken, zurück; man bildet die Säulen daher auch ohne Rücksicht auf das Verhältnis zu der zu tragenden Last, sondern formt sie auch dann kräftig, wenn sie nur ein kleines Zierstück zu tragen haben. Die Giebel werden oft gebrochen oder zerstückt und erhalten geschweifte Linien, letztere kommen auch bei den Fenstern vor, wie überhaupt Schweifungen und Schneckenbildungen überall Verwendung finden. Im Innern wird mit Vorliebe die Verkleidung der Wände mit buntfarbigem Marmor vorgenommen, was natürlich den Glanz und die Pracht des Aussehens beträchtlich erhöht. Es mag darauf hingewiesen werden, baß man auch früher den kostbaren Baustoff des Marmors für Wandbekleidung benutzte, damals aber schmückte man die Außenwände (Dom zu Florenz), jetzt das Innere. Auch hierin tritt die Wandlung der Auffassung zu Tag: die weltliche Freude an glänzender Pracht sollte damals durch das Ansehen des Aeußeren erregt werden, während das Innere auf die andächtige Stimmung mehr durch ernste Erhabenheit des Raumes und durch bedeutsame bildnerische und malerische Werke wirkte; jetzt wurde die sinnfällige Pracht ein Mittel, um bei den Eingetretenen Stimmung zu erwecken. Bei den weltlichen Bauten, den Palästen, finden wir die Anlage betreffend ebenfalls keine wesentlichen Neuerungen, sondern es werden die Grundsätze festgehalten, welche in der Renaissancezeit maßgebend waren: lichte und luftige Weiträumigkeit und bequeme Anordnung im Innern, große, schmuckhafte Höfe und prächtige Gestaltung des Aeußeren. In letzterem giebt sich nun vornehmlich die neue Kunstrichtung kund, indem sie die Zierformen in der bei den Kirchenbauten geschilderten Art und Weise verwendet.

^[Abb.: Fig. 594. Pietro da Cortona: Kirche St. Maria della Pace.

Rom.]