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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

zu erweisen, und in den Reihen der Ordensleute selbst erwachte die Lust, sich selbstschaffend in künstlerischen Aufgaben zu bethätigen. Der fleißige und wanderfrohe schwäbische Stamm lieferte dazu auch tüchtige und geschulte Handwerksleute. Unter den hier thätigen Meistern treten die Bregenzer Franz und Ferdinand Beer mehr hervor, letzterer der Schöpfer der Stiftskirche von St. Gallen, welche eine glückliche Verbindung von Langhaus- und Centralbau darstellt und durch schöne Raumwirkung sich auszeichnet. Nicht minder beachtenswert ist, gleichfalls auf Schweizer Boden, die Klosterkirche des Wallfahrtsortes Maria Einsiedeln. Im Allgäu sind die Klosterkirche zu Irsee und die fürstäbtliche Residenz in Kempten zu erwähnen (Fig. 610).

Franken. Mitglieder der Familie Dientzenhofer spielen auch im katholischen Frankenlande eine hervorragende Rolle. Johann Leonhard erscheint bei dem Umbau des Cistercienserklosters Ebrach und dem Bau der Residenz in Bamberg beschäftigt und erweist sich dabei von etwas nüchterner Auffassung; sein Bruder Johannes ist der Erbauer des Domes zu Fulda (1712), welcher eine der vorzüglichsten Schöpfungen dieser Zeit ist (Fig. 616). Die Anlage zeigt eine dreischiffige Basilika mit zwei einschiffigen Querarmen, mit einer Hauptkuppel über der Vierung und kleinen Kuppeln über den in die Seitenschiffe eingebauten Kapellen. An der Stirnseite stehen die zwei Türme an den Stellen, welche dem Hauptschiffe entsprechen, so daß neben ihnen noch Eingänge zu den Seitenschiffen frei bleiben, während die Ecken zwei quadratische Kapellen bilden. Klare Einfachheit und edles Maß in der Behandlung der Einzelformen, insbesondere auch eine mustergiltige Anordnung der Beleuchtung zeichnen den Bau aus.

Würzburg. Der bedeutendste fränkische Baukünstler ist jedoch Johannes Balthasar Neumann (1687-1753), der in Würzburg die prächtige Residenz erbaute. Den fürstbischöflichen Stuhl hatte damals Johann Philipp aus dem altrheinischen Geschlechte der Schönborn inne, welches in Mitteldeutschland insofern eine große Rolle spielte, als seine Mitglieder die wichtigsten Bistümer inne hatten. Schon Großoheim und Oheim des Vorgenannten waren Kurfürsten von Mainz gewesen, nachdem sie vorher Würzburg, Worms und Bamberg inne gehabt hatten, und seine Brüder besetzten die Stühle von Bamberg, Speyer, Constanz, Worms und Trier. Das gräfliche Haus Schönborn bildete somit eine "Macht", welche über die reichen Mittel der geistlichen Fürstentümer verfügte. Da es auch in Oesterreich begütert war, so finden sich auch dort (u. a. in Wien) Spuren ihrer Baulust und Prachtliebe. Letztere bekundete Fürstbischof Johann Philipp in der Erbauung

^[Abb.: Fig. 626. Zeughaus in Berlin.]