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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

nach Deutschland vorgedrungen, da sowohl französische wie holländische Meister an den Fürstenhöfen zu Stellung und Einfluß gelangten.

In Kassel, Darmstadt, Mannheim, aber auch in den Hansastädten Hamburg und Bremen kam die französisch-holländische Bauweise, kurzweg Hugenottenstil genannt, zur Geltung, für welchen in diesen Gebieten namentlich das Schloß zu Mannheim bezeichnend ist, ein Bau von gewaltigen Abmessungen (600 M. lang, 1500 Fenster), aber nüchtern und schwunglos, eine Schöpfung verständiger Gelehrsamkeit, nicht künstlerischen Empfindungsgeistes.

Das eigentliche Herrschaftsgebiet dieses Stiles wurden jedoch Anhalt, die Mark Brandenburg und hauptsächlich Berlin. Hier lag schon seit 1650 das Bauwesen ganz in den Händen von Holländern, denen sich Deutsche als Schüler willig anschlossen und unterordneten. Das Berliner Zeughaus (der ursprüngliche Plan rührt von dem Franzosen François Blondel her), die beiden Kirchen auf dem Gensdarmen-Markte, das Schloß in Potsdam sind bezeichnende Vertreter des Hugenottenstiles (Fig. 626).

Eosander. Schlüter. Gegen dessen Vorherrschaft kämpften zwei heimische Meister vergeblich an, Johann Friedrich Eosander und Andreas Schlüter (1662-1714). Letzterer, der größte Bildhauer Deutschlands seiner Zeit und als solcher von selbständiger und echt deutscher Eigenart, folgte auf dem ihm mehr fremden Felde der Baukunst italienischen Einflüssen. Im Jahre 1699 war ihm die Bauleitung des Berliner Schlosses übertragen worden, für welches die Entwürfe wahrscheinlich italienische Meister geliefert hatten, wenn sich auch nicht genau feststellen läßt, welche es waren. Schlüter war daher von vornherein schon an deren Richtung gebunden, und mußte sich darauf beschränken, etwas von seinem deutschen Geiste und vor allem mehr malerische Grundzüge hinein zu bringen, indem er die wuchtigen Formen milderte und verfeinerte. Eine gewisse Unsicherheit in deren Behandlung ist dabei freilich nicht zu verkennen; Schlüter fand offenbar im Baulichen nicht den entsprechenden Ausdruck für seine großen Gedanken. Freier bewegte er sich bei der Ausgestaltung des Innern, da er hierbei seiner schöpferischen Einbildungskraft ganz Folge geben konnte. Immerhin sind die von ihm ausgeführten Bauteile seines künstlerischen Ruhmes würdig, denn das Berliner Schloß erhielt durch ihn seine eindrucksvolle Gestaltung und mächtige Wirkung.

^[Abb.: Fig. 630. Lustschloß Monrepos bei Stuttgart.]