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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

am allerwenigsten geeignet war. Die klimatischen Verhältnisse und die Art des gesellschaftlichen Lebens waren in Paris ganz andere als in Italien. Hier war - und ist - man gewohnt, im Freien zu leben; der Begriff des "behaglichen Wohnens" ist auch heute noch dem Italiener fremd. Er flüchtet nur in die geschlossenen Räume, um Schutz vor der Mittagssonnenglut oder Unbill des Wetters zu suchen, benutzt sie zum Schlafen und zu jenen Verrichtungen, die sich nicht unter offenem Himmel abthun lassen. Die Gemächer des Palazzo blieben in erster Linie Schauräume, um den Prunk auszustellen; sie mußten also durch Größe und reichen Schmuck Eindruck machen. Sie mit Wohngeräten auszustatten, war nicht üblich, weil gar nicht notwendig; für die eigentlichen Wohnzwecke begnügte man sich mit einfachen Kammern. Auch das "gesellige" Leben spielte sich mehr in den Gärten ab, als in den Palästen; diese blieben nur für Empfangs- und Festgepränge bestimmt. Die innere Anlage des italienischen Palazzo ist diesem Erfordernis angepaßt: Weiträumigkeit war die Hauptsache.

Anders lagen die Verhältnisse in Paris. Hier konnte sich nicht das ganze Leben im Freien abspielen, und auch die Geselligkeit war von anderer Art; nicht in großen Festveranstaltungen mit einer Unzahl von Gästen, sondern in den Zusammenkünften der kleineren Freundeskreise lag ihr Schwerpunkt. Dann wollte man auch wirklich "wohnen", und die Räume mußten daher behaglich sein und auch bequem angeordnet für die Bewirtschaftung, indem sie ineinandergriffen und die Nebengelasse für Dienerschaft u. s. w. in der Nähe lagen. Die Gemächer dienten auch wirklich zur Benutzung für den Besitzer, nicht blos zum Beschauen; sie bedurften dazu der Einrichtung, und darauf mußte bei der Ausschmückung Bedacht genommen werden. Beides sollte zusammenstimmen, und darin konnte sich auch der persönliche Geschmack des Hausherrn freier äußern.

Es wird erzählt, daß eine geistvolle Frau, welche die französische Art der Geselligkeit in engerem Freundeskreise pflegte, die Marquise von Rambouillet, die zweckmäßige An-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 635. Porte St. Denise.

Paris.]