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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

sprechend neue Verhältnisse zu erfinden. Nicht in der mechanischen Verwertung der aus antiken Bauten herausgerechneten Regeln und Zahlenverhältnisse, sondern in der auf verstandesmäßiger Erkenntnis beruhenden Richtigkeit, beziehungsweise in dem Einklange der Verhältnisse beruhe das Gesetzmäßige der Schönheit.

Nunmehr war die Pariser Künstlerschaft in drei Lager geteilt: die Anhänger Lebruns, mit ihrer malerisch-barocken Auffassung; jene Perraults, welche die klassische Formensprache der Antike selbständig weiterbilden wollten; und endlich jene Blondels, welche auf Vitruv, Palladio und die "Zahlen" eingeschworen waren. Wie es gewöhnlich zu geschehen pflegt, wurde die Mittelpartei erdrückt. Lebrun auf der einen, Blondel auf der andern Seite behielten vorerst die Oberhand.

Die von letzterem aufgeführte Porte St. Denis wurde als Meister- und Musterwerk gepriesen, welches ebenso großartig wie richtig, kraftvoll wie feinlinig sei (Fig. 635). Für sein Ansehen zeugt auch der Umstand, daß er berufen wurde, für das Zeughaus in Berlin den Entwurf zu liefern.

Hardouin-Mansart. Vor der Gefahr, daß diese Gegensätze, bis zum Aeußersten übertrieben, jeder in seiner Richtung zur Einseitigkeit führen würden, wurde die französische Kunst jedoch bewahrt durch das Auftreten eines Meisters, dem es glückte, einen Ausgleich zu finden, die Strenge des Klassischen mit der Freiheit des Barock, die kunstwissenschaftliche Auffassung mit dem Walten künstlerischer Einbildungskraft zu versöhnen. Es war dies

^[Abb.: Fig. 640. Pantheon.

Paris.]