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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

breit, dreischiffig, mit Kapellen-Reihen zu beiden Seiten; eine mächtige Kuppel erhebt sich über der Vierung des Langhauses und Querhauses, das Mittelschiff wird überdies noch von zwei, die Seitenschiffe von je vier Kuppeln gekrönt.

Die Fülle von Bildungen, welche durch die Baufügung nicht notwendig bedingt erscheinen, giebt dem Ganzen einen unruhigen und bunten Charakter. Immerhin ist hier noch mehr auf Großzügigkeit der Formen Gewicht gelegt und soll durch Mächtigkeit eine starke Wirkung erzielt werden (Fig. 648).

Die Schwelgerei in dem abenteuerlichsten, von einer zügellosen Einbildungskraft erfundenen Schmuckwerk findet man in den Bauten anderer spanischer Meister, namentlich in jenen des Don Jose Churriguera, so daß dessen Name für die Bezeichnung des spanischen Hochbarock-Stiles gebraucht zu werden pflegt. Dieser ausschweifende Ueberschwang findet sich jedoch auch mehr in der Innengestaltung der Bauwerke, als im Aeußeren, und einzelne derselben wie z. B. die Universität in Valladolid sind verhältnismäßig maßvoll. Eine bezeichnende Probe von der ganzen Art giebt das Hauptthor des Palastes San Telmo in Sevilla (1682), bei dem selbst die Säulen flachbildnerisch bearbeitet oder wenigstens mit gewellter Riffelung versehen sind (Fig. 649).

Nach dem Aussterben des habsburgischen Königshauses ging der spanische Thron bekanntlich an die französischen Bourbonen über, doch gewann damit keineswegs die französische Kunst einen größeren Einfluß, sondern man folgte vielmehr den Italienern. Der bedeutendste Baumeister aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Sacchetti, war ein Schüler des Italieners Juvara, von welchem auch der Entwurf zu dem königlichen Palaste in Madrid herrührt. Dieser Bau wirkt nur durch seine ungeheure Masse (er hat sechs Stockwerke), sonst ist er ziemlich nüchtern und schwunglos. Der Niedergang Spaniens im Verlauf des 18. Jahrhunderts ließ auch die künstlerische Kraft völlig erlahmen, und was späterhin noch erstand, entbehrt jeder Bedeutung und Eigenart; man hielt sich entweder an fremde Vorbilder oder griff auf die ältere heimische Weise zurück. Nur der eine spanische Grundzug erhielt sich, durch große Abmessungen und Massen den Eindruck stolzer Größe hervorzurufen.