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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

681 ^[Seitenzahl nicht im Original]

Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts. ^[Titel nicht im Original]

Die Bildnerei.

Michelangelos Einfluß. Es ist eine seltsame Erscheinung, daß das Gesetz von der "vollen Freiheit des schaffenden Künstlers", welche nach der allgemeinen Ansicht die Lebensbedingung aller wahren Kunst und daher das anzustrebende Endziel sein soll, im wirklichen Leben verderblich gewirkt hat. Die ganze Zeit der Renaissance hindurch ging das Trachten der führenden Geister nach solcher Freiheit, nach Abschüttlung aller beengenden überkommenen Gesetze; die persönliche Eigenart des Schaffenden sollte Form und Inhalt des Werkes bestimmen. Der Riesengeist Michelangelos hatte dies Ziel erreicht: alle Schranken und Bande gesprengt, welche durch die überlieferten Lehrmeinungen auch für die Bildnerei gegeben waren. Mit Erstaunen hatte die Welt gesehen, was in solcher rücksichtslosen Freiheit geschaffen werden und welche Aufgaben die Bildnerei lösen konnte. Es mußte der Glaube entstehen, daß man nur auf den Bahnen des Meisters zu wandeln brauche, um, wie er, Unsterbliches zu leisten. Man vergaß aber, daß, wenn man dem Wege eines Großen folgt, damit noch keine Gewähr gegeben ist, auch nur dessen Ziel zu erreichen, geschweige denn, über dieses hinaus zu kommen. Es kommt eben auf den Wandelnden an, wie weit er gelangt. Die Freiheit nützt nur Jenem, der sie zu gebrauchen weiß, indem er sich selbst zügelt, selbst Gesetze schafft. Die Nachfolger Michelangelos verwarfen zwar die "alten" Gesetze, aber sie waren

^[Abb.: 655. Algardi: Papst Leo und Attila.

Rom. Vatikan.]