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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

über die der Bildnern durch den Stoff gesetzten Grenzen hinauszugehen und auch das anscheinend Unmögliche zu wagen, ist das Erzbild des Merkur (Florenz, Uffizien), welcher vom Winde emporgetragen wird. Es ist sicherlich ein kühner Gedanke, die unsichtbare und unkörperliche Luftbewegung in dem schweren Erz wirklich zu bilden.

Girolamo Lombardo. Eine bemerkenswerte Unabhängigkeit zeigt ein Meister, der in der Regel etwas unterschätzt wird: Girolamo Lombardo, von dem die Erzthüren an dem Heiligen Hause (casa santa) in Loretto stammen (Fig. 651). Er arbeitet noch in der Weise der Frührenaissance und gestaltet "gesetzmäßig", maßvoll und edel bei aller Lebendigkeit in der Darstellung und großem Reichtum im Zierwerk. Der Umstand, daß er ferne den Hauptsitzen der neuen Kunstweise lebte und schuf, erklärt wohl, daß er sich von deren Einflüssen so frei halten, ja sogar eine eigene "Schule" bilden konnte. Die Schüler behielten freilich die klare Einfachheit des Meisters nicht mehr völlig bei, sondern neigten schon mehr dem Prächtigen zu; immerhin heben sie sich vorteilhaft von den meisten ihrer Zeitgenossen ab, welche immer mehr auf den Weg gedankenloser Nachahmung gerieten.

Bernini. Die Vorgenannten können als Vertreter von Gruppen gelten, welche noch zwischen der Hochrenaissance und dem eigentlichen Barock eine Mittelstellung einnehmen. Für die Kunstweise des letzteren Zeitraumes ist auch in der Bildnerei bahnbrechend und maßgebend derselbe Meister, der auf dem Gebiete der Baukunst die Bahnen vorzeichnete: Lorenzo Bernini.

Hatten die Bildner, wie vorhin ausgeführt wurde, sich mit dem Gedanken vertraut gemacht, daß ihre Kunst alles darstellen könne, was man nur wolle, so kam noch ein Umstand hinzu, der sie verleiten mußte, über die natürlichen Grenzen hinauszugehen.

Die Malerei hatte eine Blüte und Höhe erreicht, welche ihr den ersten Rang unter den Künsten sicherte, weil sie die nachhaltigste Wirkung auszuüben vermochte. Mit ihr in Wettbewerb zu treten, war den Bildnern sicherlich nicht leicht gemacht. Es ist nun eine auch auf anderen Gebieten wiederkehrende Erscheinung, daß die Menschen in solchen Fällen glauben, dieselben Mittel anwenden zu müssen wie ihre Nebenbuhler, um im Wettkampfe vorwärts zu kommen. So kam es auch hier. Die Bildner meinten, daß sie die große Wirkung der Malerei erzielen könnten, wenn sie ganz in deren Weise gestalten würden. Nun sind ja freilich die Grenzen der Künste nicht so haarscharf gezeichnet, daß nicht die Weise der einen auch die andere beeinflussen könnte. Die Malerei hat ja auch eine Zeit

^[Abb.: Fig. 660. Houdon: Der hl. Bruno.

Rom. St. Maria degli Angeli.]