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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

der Begriffe in körperlichen Gestalten. Tugenden und Laster, Wissenschaften und Handwerk, Länder und Städte werden so verkörpert und mit Vorliebe auch handelnd dargestellt. Dabei unterläuft viel Abenteuerliches, ja Widersinniges. Neue Gedanken kommen dabei nicht zum Vorschein, man behilft sich mit den Einfällen der "Alten" und würfelt nur diese durcheinander. Wenn man solche umfängliche, figurenreiche Zierstücke, denen man namentlich in den Prachtsälen der Paläste, über den Thüren, an Kaminen u. s. w. begegnet, ausschließlich nur auf die Formen hin betrachtet und darauf verzichtet, sich dabei etwas denken zu wollen, so wird man diese spielerische Art erträglich finden.

Berninis Nachfolger. Daß ich im Vorstehenden von Bernini ausführlicher gesprochen habe und mehr Proben seiner Werke gebe, läßt sich leicht rechtfertigen. Begabung und die Gunst der Verhältnisse machten ihn zum "Hauptmeister" seiner Zeit, und neben ihm konnte in Italien keiner recht aufkommen. Die Schwächeren beugten sich willig vor ihm und wurden sklavische Nachahmer, und auch die mehr selbständigen Geister wurden, wenn vielleicht auch widerwillig, in seinen Bann gezwungen, weil alle Welt Berninische Art verlangte. Man weiß ja, wie es zu gehen pflegt: erregt ein Kunstwerk oder ein Künstler Aufsehen, kommt dieser "in die Mode", so wollen Käufer und Besteller auch "dasselbe oder Aehnliches" haben, und solche "Tyrannei der Mode" mordet mehr künstlerische Naturen, als mancher glauben mag. Die Voraussetzung für die ersehnte wirkliche "Freiheit der Kunst" ist ein "geistig freies Volk" - letzteres Wort sei im weitesten Sinne verstanden -, dann kann in den großen Kreisen desselben jeder Künstler von Eigenart eine Anhängerschaft finden, deren er schon aus den groben Gründen des Daseinskampfes bedarf.

Neben Bernini konnte nur noch der Bolognese Alessandro Algardi (1602-1654) eine gewisse selbständige Bedeutung behaupten, ja, allerdings nicht sehr erfolgreich, mit jenem wetteifern. Daß auch seine Art sich nicht wesentlich von der Berninischen unterscheidet, ist begreiflich, nur knüpft sie unmittelbar an den malerischen Stil der Hochrenaissance an. Als ein Zeugnis für seine Kunstfertigkeit und dafür, wie sehr er sich die Formen der Antike angeeignet hatte, mag erwähnt werden, daß man sein Standbild des Morpheus lange für ein "antikes" Werk gehalten hat. Seine besten Arbeiten sind das Flachbildwerk: "Papst Leo d. Gr. tritt dem Attila entgegen" (ein Stoff, den bekanntlich auch Rafael behandelt hat) und das Grabmal des Papstes Leo XI. (Fig. 655).

^[Abb.: Fig. 664. Grabmal Kaiser Ludwig des Bayern.

München. Frauenkirche.]