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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

Wien. Donner. An dem Kaiserhofe in Wien bestand ja Sinn für die Kunst - der berühmte Feldherr Prinz Eugen von Savoyen zählt zu deren eifrigsten Förderern - freilich waren die steten Kriege (mit den Türken, der spanische Erbfolgekrieg) für eine besondere Pflege derselben nicht sehr günstig. Erst um 1720 traten ruhigere Zeiten ein. Damals besaß denn auch Wien einen Meister, welcher sich von den Geschmacksverirrungen seiner Vorgänger frei hält und mit Erfolg zu einer maßvollen Einfachheit und Formenreinheit zurückzustreben sich bestrebt. Es ist dies Raphael Donner (1692-1741) dessen bedeutsamstes Werk der Brunnen zu Wien ist. Dasselbe läßt die Eigenart des Künstlers trefflich erkennen. An der malerischen Auffassung hält er zwar fest, ohne sie jedoch zu übertreiben, vielmehr zeigt er bereits die Anläufe zu einem rein bildnerischen Stil. Die Gruppe ist geschmackvoll angeordnet, die Formen sind edel gebildet und zeugen von besserer Naturbeobachtung, als sonst in dieser Zeit üblich war, in der man nach Vorbildern anstatt nach der Natur zu arbeiten pflegte. Wohl vermißt man noch eine kräftigere Betonung des Innerlichen, immerhin liegt schon mehr Geist darin, namentlich in der Hauptfigur, als in den meisten anderen gleichzeitigen Werken.

Berlin. Schlüter. In Berlin, der Hauptstadt jenes Staates, welcher die Führerschaft in Deutschland anzutreten sich anschickt, hatte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die niederländische Kunstrichtung hauptsächlich Einfluß gewonnen und in deren Geiste bildete sich auch zunächst der Künstler aus, welcher wieder die deutsche Eigenart in der Bildnerei zu Ehren brachte: Andreas Schlüter (1664-1714). In den Trophäen an dem Zeughause herrscht noch die malerische Auffassung, ihre Anordnung zeugt aber von einem hohen Schönheitsgefühl, welches von Uebertreibung sich fern hält. Die Köpfe der sterbenden Kämpfer sind jedoch bereits in neuem Geiste gebildet. Von einer packenden Naturwahrheit, dabei wieder maßvoll im Ausdruck des Schmerzes und Todes, welcher nichts Abstoßendes enthält, jeder derselben eine besondere persönliche Eigenart bekundend, erscheinen diese Köpfe als Vorboten des Wiedererwachens der echtdeutschen Kunst, welche die Natur tiefsinnig ergründet und mit wahrer Empfindung in edlen Formen nachgestaltet.

Das Hauptwerk Schlüters, das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten, steht den besten Werken der Antike und der Renaissance in dieser Gattung ebenbürtig zur Seite. Der geistige Gehalt der dargestellten Persönlichkeit ist ebenso meisterhaft zum Ausdruck gebracht, wie die ganze Haltung von ergreifender Würde erfüllt. Es ist wirklich das Bildnis eines "großen Fürsten", wie man sich einen solchen vorstellen mag. Nicht minder trefflich ist das Roß gebildet, dessen kraftvolle Formen und lebendige Bewegung zu der Auffassung des Reiters prächtig stimmen. Nur in einem Punkte hat der Meister der "Mode der Zeit" nachgegeben, indem er den Kurfürsten in römischer Gewandung darstellt.

^[Fig. 669. Cano: Madonna.

Ville.]