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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

698 ^[Seitenzahl nicht im Original]

Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts. ^[Titel nicht im Original]

Die Malerei.

Italien. Die "Manieristen". Raphael, Michelangelo und Correggio waren am Schlusse des 16. Jahrhunderts noch immer jene "vorbildlichen" Meister, welchen die zahlreichste Schar von Kunstjüngern nachstrebte. Durch emsiges Kopieren ihrer Werke suchte man ihre "Malweise" sich anzueignen, und die "Kunstgeheimnisse" zu entdecken, denen sie ihre Erfolge verdankten. Bei einigem Fleiß konnte Ersteres wohl glücken und die Handfertigkeit genügend geschult werden, um ganz in der Art des Vorbildes arbeiten zu können. In diesem heißen Bemühen ging aber gewöhnlich das bischen eigener Geist und eigenes Empfinden verloren, welches ursprünglich vorhanden gewesen sein mochte, und man glaubte schließlich daran, daß die Handhabung der abgelauschten Kunstgriffe nicht nur genüge, sondern auch unbedingt erforderlich sei, um ein Kunstwerk zu schaffen. Bequem war es ja, sich einfach die Formensprache der Vormeister anzueignen, anstatt eine eigene sich zu erfinden, noch schlimmer war es aber, wenn die Bequemlichkeit so weit ging, daß man auch nur die fremden alten Gedanken auszusprechen wußte. Es ist eigentlich seltsam, daß gerade auf dem Gebiete der Kunst, auf welchem das persönliche Selbst des Schaffenden entscheidend ist für die Bedeutung des Werkes, man so häufig einer völligen Entäußerung aller Selbständigkeit begegnet. Die Meisten sind sich freilich dessen gar nicht recht bewußt, daß sie mit fremden Augen sehen, mit fremdem Hirne denken und mit fremder Hand den Pinsel führen; wurde es ja in der Regel ihnen eindringlich gelehrt und gepredigt, daß es so sein müsse.

Geschicklichkeit läßt sich vielen von diesen Nachtretern der Hauptmeister nicht absprechen und es findet sich unter ihren Werken gar manches, das eine höhere Wertschätzung verdient, als ihm gewöhnlich zu teil wird. Bei einem Vergleich mit den Vorbildern werden allerdings solche Arbeiten schlechter wegkommen, als wenn man sie für sich betrachtet. Der Unbefangene wird oft dabei zugestehen müssen, daß die Sachen gefallsam sind und eine große Gewandtheit verraten, fast niemals aber durch Geschmacklosigkeit abstoßen. Die Gerechtigkeit verlangt es, gegenüber der üblichen, kurzweg absprechenden Be-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 670. Caracci: Galatea.

Rom. Palazzo Farnese.]