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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

urteilung dieser sogenannten "Manieristen" auch deren "gute Seiten" zu erwähnen. Sie lebten eben in der Ueberzeugung, daß die von den Hauptmeistern gewiesenen Wege die allein richtigen seien und bemühten sich, diese genauestens einzuhalten, dabei verdarben sie wenigstens nicht den Geschmack und das ist auch ein Verdienst. Weitaus schlimmer ist es, wenn kraftlose Unfähigkeit mit Neuerungssucht sich paart, mißverstandene Grundzüge der verschiedensten Art miteinander verbindet und sich schon neuschöpferisch dünkt, wenn sie blos das Gegenteil von dem thun, wodurch die anderen ihr Können bewiesen haben.

Für die weitere Entwicklung der Kunst haben freilich diese "Manieristen" der römisch-oberitalischen Schulen keine Bedeutung und von diesem Standpunkte aus brauche ich auch nicht näher auf die einzelnen einzugehen, deren Zahl ohnehin sehr umfänglich ist. Es genügt, wenn ich nur zwei derselben nenne, die bei ihren Zeitgenossen in hohem Ansehen standen, und dieses insofern rechtfertigten, als ihre Kunstfertigkeit in der Formbehandlung bedeutend war. Es sind dies Giuseppi Cesari Cavaliere d'Arpino (gest. 1640) und Pompeo Batoni (gest. 1787), die zu Anfang und zu Ende dieses Zeitraumes wirkten und durch die gleiche Artung ihrer Werke auch dafür zeugen, wie unverändert sich die "Manier" durch fast zwei Jahrhunderte erhalten konnte.

Es fehlte jedoch keineswegs an Künstlern, welche gegen diese Verflachung in Manier ankämpften und auf eigenen Bahnen selbständig fortzuschreiten suchten. Man kann da drei Hauptrichtungen unterscheiden. Die eine ging zwar auch davon aus, daß die Kunst des Cinquecento bereits das Höchste geleistet hätte und nicht zu übertreffen wäre, aber nur in ihrer Gesamtheit, während jedem Einzelnen nur bestimmte Vorzüge zukämen. Es gälte daher, diese Vorzüge herauszufinden und zusammenzufassen, dabei aber kritisch zu verfahren, das heißt, sie auf ihre Wahrheit hin zu prüfen, wozu gewissenhaftes Naturstudium nötig sei, und die auf diese Weise gewonnenen Grundzüge selbständig zu verarbeiten. Die andere Richtung verwarf alle Anlehnung an die Ueberlieferungen und wollte ganz selbständig auf Grundlage eigenen Studiums der Natur und in neuer Auffassung derselben schaffen, dabei hielt sie jedoch daran fest, daß die Malkunst ihre besonderen Ziele und Aufgaben, somit auch ihre bestimmten Grenzen gegenüber den Schwesterkünsten habe. In dieser Hinsicht unterschied sich von ihr die dritte Richtung, welche ganz in dem Geiste der Zeit, wie er in der Baukunst sich geltend machte, mit unbefangener Kühnheit alle gewonnenen Ausdrucksmittel nur unter dem Gesichtspunkte der "Schmuckwirkung" verwertete. Hier haben wir die eigentlich "barocke" Malkunst, die auf ihre Sonderstellung verzichtend, mit Baukunst und Bildnerei sich verbindet, um Schmuckwerke von eindrucksvoller Pracht zu schaffen. Sie sieht ihre Aufgabe im "Zieren", und zu deren Lösung schlägt sie, unbekümmert um die besonderen Gesetze der Malerei, die ihr geeignet erscheinenden Wege ein. Der gedankliche Gehalt wird zur Nebensache und daher brauchen auch Farben- und Formgebung keine

^[Abb.: Fig. 671. Reni: Aurora.

Rom. Galerie Pallavicini.]