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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

Annibale, der eigentliche Maler d. h. Farbenkünstler, das "Technische". Auf diese Weise war eine wirkliche "Schule" eingerichtet worden, in welcher jedes Fach seinen besonders geeigneten Vertreter hatte, dabei aber auch volle Einheitlichkeit herrschte. Die Caraccis hatten durch mehrere Arbeiten in Bologneser Palästen, die sie mit Wandgemälden schmückten, ihren Ruf begründet und auch außerhalb der Heimat die Aufmerksamkeit erregt. Im Jahre 1597 wurden sie nach Rom berufen, um in dem eben vollendeten Palazzo Farnese die Galerie mit Wandgemälden zu schmücken (Fig. 670). Dem damaligen Zeitgeiste entsprechend bilden den Inhalt der Darstellungen allerlei Vorgänge aus dem antiken Götter- und Heldensagenkreis, bei denen ein stark sinnlicher, wenn nicht lüsterner Grundzug vorherrscht. Die Wand- und Gewölbeflächen sind in Felder geteilt, durch ein grau in grau gemaltes Rahmenwerk, das in seiner baulichen Formengebung ganz "barock" gehalten ist. Die Gemälde selbst sind beredte Zeugen für die verständnisvolle Auswahl der Vorbilder. Die Anordnung der Gruppen ist so trefflich, wie man sie bei Lionardo oder Raphael findet; die Zeichnung, bestimmt, kräftig und voll Lebenswahrheit, erinnert beinahe an Michelangelo; die leuchtende, satte Farbengebung an die Venezianer und die Behandlung des Lichtes an Correggio. Es ist eine glückliche Verbindung von rein malerischer Farbenkunst mit ausdrucksvoller zeichnerischer Formensprache. Daß in den einzelnen Grundzügen die Meister des Cinquecento nicht ganz erreicht werden, ist begreiflich, da man mit zusammengesetzten Mitteln doch eine möglichst einheitliche Wirkung erzielen wollte, so mußte eben jedes einzelne Mittel mit Rücksicht auf die anderen auf ein gewisses Durchschnittsmaß zurückgeführt werden.

Den Hauptanteil an diesem Werke, an welchem Absicht und Können der Schule der Neuerer am besten ersichtlich ist, hatte Annibale, der während dieser Arbeit noch Zeit fand zu verschiedenen bedeutenden Tafelbildern, in denen er seine hervorragende Meisterschaft und Vielseitigkeit bekundet. Er leistet da ebenso Treffliches in Altarwerken, wie im Bildnis, im Landschaftlichen wie in der Wiedergabe des Volkslebens. Gerade auf diese Werke ist aufmerksam zu machen, weil sie mehr als die Darstellungen aus der Sagenwelt auch die geistige Auffassung des Künstlers erkennen lassen. Jene mythologischen Gemälde sind im Grunde mehr Zierstücke, bei welchen es in erster Linie auf das Formale, das Aeußerliche, ankam. In den religiösen Bildern zeigt Annibale jedoch nicht nur die gleichen Vorzüge der Kunstfertigkeit, sondern auch seine Befähigung, für die innerliche Stimmung den rechten Ausdruck zu finden. Seine Madonnen atmen allerdings den Geist seiner Zeit, sie haben nicht die reine Schönheit des einfach Menschlichen, wie jene Raphaels, sondern besitzen bereits einen Zug schwärmerischer Verzückung. Auf die spätere Entwicklung der Landschaftsmalerei übte er auch einen namhaften Einfluß, indem er auf das "Stimmungsvolle" in der Natur hinwies. Seine Bildnisse sind von lebenswahrer Kraft in der Wiedergabe der äußeren Erscheinung.

An künstlerischer Bedeutung in ihren Werken stehen sowohl Agostino wie Lodovico hinter ihm zurück. Ersterer konnte einen gewissen trockenen, lehrhaften Zug in seinem Wesen nie verleugnen, er ist zwar tüchtig, aber wenig geistvoll. Zum Teil gilt dies auch

^[Abb.: Fig. 673. Caravaggio: Der Falschspieler.

Dresden. Galerie.]