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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

Gesandten in Madrid und in London thätig und zwar mit Erfolg, wie die hohe Wertschätzung beweist, die ihm sowohl der spanische wie der englische Hof zollten. Die vielen Reisen, zu denen ihn dieser diplomatische Dienst nötigte, hinderten ihn jedoch keineswegs gänzlich an der Ausübung seiner Kraft; auch in dieser Zeit entstand eine Reihe von meisterhaften Bildern. Nach dem Tode der Infantin zog sich Rubens von der Politik zurück, um sich nun wieder ganz der Kunst und seiner Familie zu widmen. Seine erste Frau hatte er 1626 durch den Tod verloren; es war ein harter Schlag für ihn gewesen; einen Ersatz fand er 1630 in Helene Fourment, an deren Seite er das volle Glück wiederfand. Er hat ihre üppige Schönheit in zahlreichen Bildern verewigt, die zu den besten Werken seiner Hand zählen. In seinem Palaste zu Antwerpen und auf dem Landschlosse Steen, die mit Sammlungen kostbarer Kunstwerke gefüllt waren, verbrachte der Meister, fürstlich reich und hochgeehrt, dabei unermüdlich thätig, das letzte Jahrzehnt seines Lebens, bis ihn 1640 der Tod den Seinen und der Kunst entriß.

Wie aus dieser kurzen Schilderung der äußeren Lebensverhältnisse erhellt, war Rubens vom Glück begnadet; keine widrigen Umstände hemmten den Flug seines Geistes. Im Jahre 1610 ist er bereits ein "fertiger" Meister, dessen künstlerische Entwicklung abgeschlossen ist, und volle 30 Jahre erhält sich ungeschwächt seine vollendete Schöpferkraft. Man hat berechnet, daß er im Laufe seines Lebens etwa 1300 Gemälde geschaffen habe, davon zwei Drittel mehr oder minder ganz eigenhändig. Daß unter dieser Fülle nicht alle Werke gleichwertig vollendet sind, wird man begreiflich finden, es ist aber keines darunter, das seines Namens unwürdig wäre, und keines, das sich als eine bloße Wiederholung eines früheren darstellt. Diese Fruchtbarkeit im Erfinden immer neuer Anordnungen, diese vollendete Sicherheit im Gestalten tiefer Gedanken und anmutiger Einfälle einer unversieglichen Einbildungskraft, die meisterliche Farbenkunst, welche mit rein malerischen Mitteln den höchsten Reiz zu erzielen weiß, finden sich bei keinem anderen Künstler dieses Zeitraumes wieder.

Rubens fußte weder auf der Antike, noch war er reiner "Naturalist"; er bildete seine Formensprache nicht nach klassischem Vorbilde aus, ebenso wenig strebte er genaue

^[Abb.: Fig. 683. Rubens: Spaziergang im Garten.

München. Pinakothek.]