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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

Rubens Kunstweise ist gründlich verschieden von jener des Cinquecento, die auf ruhige Schönheit, auf strenge Formensprache und Beschränkung in der Wahl der Mittel ausging. Sie giebt vielmehr alles ins Große gesteigert, das Leben in üppiger Kraft und Fülle, in blendender Pracht und mit stärkstem Reiz - sie ist eben aus der Zeit hervorgegangen und deren Geist in vollkommenster Weise entsprechend - kurz, die "Barockkunst" in ihrer höchsten und schönsten Vollendung.

Van Dyck. Unter den zahlreichen Schülern und Gehilfen, welche P. P. Rubens ausgebildet hatte, waren nicht wenige Begabte, die mit Geist und Geschick sich die Weise des Meisters aneigneten, allerdings aber auch viele, die sie blos nachahmten und "Manieristen" wurden. Letzteres war in noch höherem Grade der Fall bei einer Reihe von untergeordneten Malern zu Ende des 17. Jahrhunderts, namentlich bei jenen, die große Prunk- und Zierstücke lieferten. Zu einer hervorragenden, selbständigen Bedeutung gelangten dagegen zwei aus diesem Kreise: Anthonis van Dyck (1599-1641) und Frans Snyders (1579-1657), die beide Schüler des in der italienischen Richtung befangenen Hendrik van Balen gewesen und dann in Rubens Werkstatt gelangt waren. In der Zeit von 1617-22 finden wir van Dyck als Lieblingsgehilfen des Meisters thätig, dessen Wegen er gewissenhaft folgt. Ein längerer Aufenthalt in Italien (1623-1626) reifte in ihm die selbständige Eigenart. Gleich Rubens hatte er hier zunächst die heimische Neigung zum Derben und Schwerfälligen abgelegt, die bei ihm noch stärker gewesen war, weil er für den Ausdruck des Kräftigen nicht jene zutreffende Form fand, wie der Meister, und daher ins Grobe geriet. Der Wandel war bei van Dyck aber noch gründlicher, denn er eignete sich eine gewählte Zierlichkeit und vornehme Feinheit an, welche ihn später zum bevorzugten Hofmaler werden ließ. Auf den Ton höfischer Lebensart, die er in Italien kennen gelernt hatte, stimmte er jetzt Gehaben und Erscheinung seiner Gestalten; jene mächtigen Züge von Leidenschaftlichkeit und Lebensschwungkraft, die bei Rubens sich finden, ersetzte er durch maßvoll gedämpfte Ausdrücke einer weichlichen Empfindsamkeit und mehr schauspielerischen Getragenheit. In der Farbengebung hatte van Dyck sich von den

^[Abb.: Fig. 685. Jordaens: Wie die Alten sungen, zwitschern die Jungen.

München, Pinakothek.]