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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

Venetianern stark beeinflussen lassen. Seiner ganzen persönlichen und künstlerischen Eigenart nach konnte van Dyck nur in einem Fache bis zu der Höhe eines Rubens gelangen, nämlich in den Ebenbildnissen (Fig. 634). Wo es auf Kraft und Größe, Stärke und Wahrheit der Empfindung, Lebendigkeit der Bewegung und Handlung ankam, reichte van Dyck nicht aus. In den Ebenbildnissen ließen sich aber Leben und Wahrheit in einer abgeklärten, zurück haltenden Weise geben; da waren das Gezierte und Empfindsame, die verfeinerte Form und die flotte Farbentönung am Platze. Die religiösen Bilder stehen daher auch an Wert hinter den Ebenbildnissen zurück, die damals schon den Ruhm des Meisters begründet hatten und ihn auch heute noch erhalten. Seine besten Arbeiten stammen aus der Zeit von 1626-1632, bevor er nach England berufen wurde; in diesen zeigt er sich als Meister einer feinsinnigen, wohlabgewogenen Farbenkunst. In London fand van Dyck eine glänzende Aufnahme, nicht nur König Karl I. sondern der ganze Hochadel überhäuften ihn mit Aufträgen; man könnte beinahe sagen, es gab keine Adelsfamilie, die nicht mindestens ein Bild von van Dyck erwarb. Mehrere hundert Bilder entstanden während des neunjährigen Aufenthalts in England; daß unter diesen der größere Teil flüchtig und kraftlos, blos mit handwerksmäßiger Geschicklichkeit gearbeitet ist, kann da nicht Wunder nehmen; das ewige Einerlei mußte schließlich ja den Künstler anwidern. Seine Bemühungen, mit Prunkgemälden für Whitehall und den Louvre beschäftigt zu werden, blieben erfolglos, zudem litt seine Gesundheit und schon 1641 erlag er einem Brustleiden.

Snyders. Auch der zweite der bedeutenden Gehilfen des Rubens hat nur in einem besonderen Fache sich hervorgethan und in diesem diese Kunstweise zur Vollkommenheit ausgebildet; was van Dyck in den Ebenbildnissen, das leistete Frans Snyders im Tierstück. Es war im gewissen Sinne schon eine Neuerung, daß er das tote Wild in natürlicher Größe darstellte, wodurch die Wirkung der Naturwahrheit erhöht wurde. In der Wiedergabe von lebenden Tieren, in den Jagdstücken, läßt freilich die Naturtreue manches zu wünschen übrig. Immerhin ist Snyders der beste Tiermaler der vlämischen Gruppe und wird nur von den Holländern übertroffen.

Jordaens. Es zeugt am besten für die im niederländischen Volkstum vorhandene hohe künstlerische Lebenskraft, daß neben der überwältigenden Erscheinung eines Rubens auch noch andere sich zu großer selbständiger Bedeutung erheben konnten. Unter den Altersgenossen des Hauptmeisters fanden sich mehrere, welche sich seinem Einflusse gänzlich entzogen, zum Teil freilich mehr deshalb, weil sie, wie z. B. der bereits erwähnte Hendrik van Balen, an dem Hergebrachten festhielten und sich von den italienischen Vorbildern nicht losmachen konnten. Einige schlugen jedoch eigene Wege ein, um zu einer mehr malerischen Auffassung, gefälligeren Formgebung und lebhafteren Färbung zu gelangen, so Theodor

^[Abb.: Fig. 686. Teniers: Bauernhochzeit.

München, Pinakothek.]