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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

wie in Schwaben. Diese einheimische Malweise kennzeichnet eine fast überkräftige Wirklichkeitstreue, bei der auf alles Verschönern verzichtet wird. Die politischen und Verkehrsbeziehungen der pyrenäischen Königreiche zu Italien und den Niederlanden brachten es dann mit sich, daß im 15. Jahrhundert die Kunst letzterer Länder den herrschenden Einfluß gewann. Zuerst hatte man Kunstwerke eingeführt, dann waren Künstler eingewandert und schließlich waren auch die Eingeborenen ganz auf die fremde Weise eingegangen. Fast stärker noch als der italienische war der Einfluß der Niederländer - in Portugal war er ausschließlich in Geltung -, mit denen man hinsichtlich der Hochschätzung der Wirklichkeitstreue übereinstimmte, während die mehr "ideale" Richtung der Italiener dem spanischen Volksgeiste weniger zusagte. So ausschweifend dessen Einbildungskraft auch ist, so haftet sie doch immer an der Erde und versteigt sich nicht in die Höhen des Uebermenschlichen; sie zeugt eher Gebilde von ungeheuerlicher Derbheit, als solche von nebelhafter Ungreifbarkeit. Mit Beginn des 16. Jahrhunderts änderte sich jedoch dieses Verhältnis, da Karl V. die Italiener bevorzugte und eine große Zahl derselben an seinen Hof berief, an welchem freilich auch Niederländer thätig waren; andrerseits gingen die Spanier nach Italien, um dort zu studieren. Es verdient Anerkennung, daß sie dabei in ziemlich bedeutendem Maße ihre heimische Eigenart zu bewahren wußten und nicht zu bloßen Nachahmern herabsanken. Der spanische Stolz geht freilich zu weit, wenn er diese Zeitgenossen der italienischen Cinquecentisten letzteren gleichstellt; von einer Ebenbürtigkeit ist keine Rede, und die Bedeutung bleibt auf einen örtlichen Kreis beschränkt, für welchen sie allerdings erheblich ist. Die spanischen Meister des Cinquecento haben zu dem allgemeinen Fortschritt der Malkunst nicht beigetragen, sondern nur die heimische volkliche Kunst gefördert, außerhalb ihrer Heimat haben sie daher auch keinen Einfluß geübt. Von den Hervorragenderen folgen Alonso Berruguete, Vicente Juan Macip (gen. Juan de Juanes), Luis de Vargas, Alonso Sanchez Coello, Juan Fernandez Navarrete in mehr oder minder deutlich erkennbarer Weise den italienischen Bahnen, die beiden ersteren der römischen Schule, die zwei letztgenannten dem Tizian, während Vargas "Ekklektiker" ist. Der spanische Grundzug, die unbedingte Wirklichkeitstreue, tritt bei allen hervor, die Formensprache bleibt daher oft hart und auch in der Farbe wird mehr auf Kraft, als auf Tönung gesehen. Gegenüber dem feinen Schönheitsreiz der italienischen Cinquecento-Meister wirken daher die Spanier durch die Stärke der Empfindungen, deren Tiefe und Leidenschaftlichkeit mit überzeugender Wahrheit zum Ausdruck gebracht wird.

Diese volklichen Eigenheiten sind am schärfsten entwickelt bei Luis Morales (+ 1586), der Italien nie besucht hatte und, wenn auch nicht ganz unbeeinflußt von den in Spanien vorhandenen fremden Werken, seinen eigenen Weg gegangen war. Die Lebenswahrheit und Leidenschaftlichkeit wird bis zum äußersten gesteigert, so daß es oft geradezu unschön wirkt.

^[Abb.: Fig. 702. Velasquez: Apollo und Vulkan.

Madrid. Prado.]