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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Der romanische Stil; Römischer Stil

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Erläuterungen.

reichen gesucht. Deshalb wird zwischen Standfläche und Schaft die Basis eingeschoben, verknüpft die Perlenschnur Hals und Kapitäl, vermittelt der kleinere Blattstab zwischen Polster und Gebälk und darum tritt auch an Stelle der vorspringenden geradkantigen Platte zwischen Architrav und Fries ein mehr vermittelndes, aus Wülsten mit aufliegender Platte gebildetes Glied. Das Kranzgesimse weist keine Eigenheiten auf.

Die korinthische Ordnung ist die schmuckhafteste der drei griechischen Stile. Ihre Besonderheit liegt vor allem in dem kelchförmigen, mit reichem Blattschmuck verzierten Kapitäl (Fig. 716 A). Es ist bezeichnend für das Wesen der korinthischen Säule, daß gerade ihr Kapitäl im üppigen Rom fast ausschließlich verwendet und zu immer reicherer Form ausgebildet wurde. Bei dieser Ordnung ist gleichfalls stets eine Basis vorhanden, die gleich jener der jonischen gegliedert ist; auch der Schaft weicht von der jonischen Form nicht ab, doch enden die Kanneluren meist nicht in einer einfachen Abrundung, sondern erscheinen zu umgelegten Blattspitzen ausgezogen. Der Hals erhält dann eine ähnliche Umkleidung, aus welcher die Hüllblätter des Kelches hervorwachsen. Das Kapitäl zeigt in seinem Schmucke großen Wechsel. Immer umschließt ein Kranz von Akanthusblättern, der bei reicherer Ausführung verdoppelt wird, den unteren Teil. Aus diesem Blätterkranze steigen in schön gewundenen Schneckenlinien stengelartige Gebilde, mit Palmetten und anderen pflanzlichen Schmuckgebilden dazwischen auf und vermitteln den Uebergang zur Deckplatte. Diese ist durch eine Hohlkehle, sowie darunter und darüber liegende Plättchen und Wülstchen reich gegliedert, hat häufig abgeplattete Kanten und als neue Eigentümlichkeit keine geradlinige, sondern eine nach der Mitte zu gekrümmte Umgrenzung.

Das Gebälk zeigt keine Abweichungen vom jonischen; das Beispiel Fig. 711 C ist reicher gegliedert, indem der Architrav aus drei schwach übereinander vorspringenden Bändern gebildet ist und sich unter dem Kranzgesimse ein Zahnschnittfries hinzieht, beides Eigenheiten, die auch an jonischen Bauwerken vorkommen.

Römischer Stil. Die römische Säule zeigt nur eine reichere Ausbildung und Vermischung verschiedener griechischer Formen. Bei der dorischen und jonischen Säule war die Grenze, bis zu der man gehen konnte, ohne die wesentliche Eigenart zu zerstören, bald erreicht. Dafür bot das korinthische Kapitäl um so größere Freiheit, und dieses wurde daher auch mit Vorliebe benutzt. Fig. 716 B zeigt, wie groß die Weiterbildung des ohnehin schon reichen griechischen Vorbildes ging. Die Ausschmückung beschränkte sich jedoch nicht auf das Kapitäl, sondern dehnte sich auch auf Basis und Gebälk aus.

Die einfache attische Basis wurde durch Einschieben von Plättchen, kleinen Kehlen und Wülsten bereichert, die Grundplatte (Plinthe) mit Bändern und Ranken, die Wülste und Kehlen mit Flecht- und Blattwerk verziert. Ebenso wurde das Gebälk durch Einschalten von verzierten Zwischengliedern reicher ausgestaltet und unter dem Kranzgesimse die schon im griechisch-korinthischen Stil auftauchenden Konsolen als Träger desselben ständig verwendet. Häufig wurden die Säulen auf einen Unterbau (Sockel, Säulenstuhl oder Postament genannt) gestellt, die Kannelierung nur teilweise ausgeführt oder ganz fortgelassen, und der Schaft am Beginn mit Hüllblättern - Akanthus - geschmückt.

Meist liegt über dem doppelten Akanthuskranz des Kapitäls ein mit einem Eierstab geschmückter Wulst (a bei Fig. 716 B), über dem sich die an das jonische Kapitäl erinnernden mächtigen Volutenglieder herniederrollen. Dieses reiche Kapitäl, in dem schließlich auch Menschenfiguren eingefügt werden, heißt besonders das römische Komposit- (d. h. zusammengesetztes) Kapitäl.

Als neue Bauglieder treten in der römischen Baukunst die Bogen hervor (siehe die Beispiele S. 169 und 173), die in der griechischen Baukunst niemals Anwendung fanden; auch Wandpfeiler und Halbsäulen mit den Rundsäulen entsprechenden Kapitälen fanden ausgedehntere Anwendung als in den griechischen Stilen.

Der romanische Stil. Die Zeit zwischen dem Erlöschen der römischen und dem Erwachen der romanischen Kunst kann ich hier überspringen, da die altchristliche Kunst keine eigenen Stilformen schuf. Der Geist, der innere Gehalt und die Bedeutung der romanischen