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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

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Erklärung der technischen und fremden Ausdrücke.

steinen, zusammengesetzten Bogen heißen die beiden tragenden Mauerstücke die "Widerlager", und deren oberste Teile, auf denen die Bogenfüße ruhen, die Bogenkämpfer". Der mittelste Wölbstein, der also die Wölbung schließt, heißt der Bogenschluß oder "Schlußstein". Die Innenfläche heißt Leibung, die Außenfläche Bogenrücken.

Bogenfeld: Der vom Bogen begrenzte Raum.

Bogenfries: Ein aus aneinander gereihten Bogen gebildeter Schmuckfries.

Bordüre: Wandverzierung, Saum, Einfassung.

Bossages: Steine mit rauher, wenig behauener Oberfläche und abgeschrägten Kanten, Buckelsteine.

Bossen: Kantenblumen, Buckel.

Bossenwerk: Bossage oder Rustika, Mauerwerk aus roh behauenen Quadern.

Bossieren: Bosseln oder auch bosselieren, vom altdeutschen "pozan": schlagen, die Herstellung von Bildnereiwerken aus weichem Stoff (Thon, Wachs).

Bronze: Mischmetall, in der Hauptsache aus Kupfer und Zinn bestehend, neben Marmor der am meisten verwendete Stoff für Standbilder und andere bildnerische Kunstwerke der "großen" und "kleinen Kunst". Ihre Verwendung ist uralt; in der sogen. Bronzezeit verdrängte sie die Stein- und Knochenwerkzeuge als Stoff der meisten Waffen und Geräte, bis sie wieder vom Eisen verdrängt wurde. Die Aegypter, Assyrer, Babylonier, Chinesen, Perser kannten in den ältesten Zeiten den Bronzeguß und stellten Kunstwerke und Gebrauchsgegenstände daraus her, und die Griechen brachten es in der Herstellung der Bronzestandbilder aus einem Guß zu hoher künstlerischer und handfertiger Vollendung.

Buckelsteine: Bossenquadern (Bossages), Steine mit wenig behauener, rauher Oberfläche und abgeschrägten Kanten.

Bukranion: Stierschädel; den Schädeln der Opfertiere nachgebildetes Zierwerk, das meist durch Laubgewinde verbunden vorkommt.

Bündelpfeiler: Ein aus dem Zusammenstellen mehrerer Pfeiler, oder aus der Bekleidung eines solchen mit Halbsäulen und Stäben entstandenes Bauglied.

Cameen: Erhaben geschnittene Steine.

Campanile: Glockenturm.

Cannellierung: S. Kannelierung.

Cantharus: Reinigungsbrunnen in der altchristlichen Basilika.

Cartouche: S. Kartusche.

Casette oder Kassette: Vertieftes Deckenfeld; kassettiert: mit derartigen Feldern versehen.

Cathedra: Sessel, Lehrstuhl, besonders Bischofssitz.

Cathedrale: Hauptkirche an einem Bischofssitz.

Cella oder Naos: Das innerste Gemach der griechischen und römischen Tempel; Allerheiligstes derselben.

Centralbau: Ein Kirchenbau, dessen einzelne Teile sich um einen Mittelpunkt ordnen; vornehmlich die Kirchen der italienischen Hochrenaissance sind Centralbauten.

Ciborium: Hostienbehälter; Gefäß in Form eines Kelches, seltener auch einer Taube, eines Türmchens oder einer Kapsel; ferner auch der Altarüberbau, der auf 4 oder mehr Säulen ruht.

Chor: Der für die Geistlichkeit bestimmte östliche Teil der christlichen Kirche. Verlängerung des Mittelschiffes.

Chryselephantin: Aus Gold und Elfenbein zusammengesetzte Standbilder.

Ciselieren: Das Nacharbeiten (Fertigmachen) von gegossenen Metallgegenständen; im engeren Sinne die Herstellung getriebener Metallarbeiten aus dünnem Blech.

Cista: Antikes Gefäß von cylindrischer Form.

Colorit: Farbe, Farbengebung.

Composit-Kapitäl: Ein aus verschiedenen Formen zusammengesetztes Kapitäl der römischen Baukunst.

Console: Tragstein, Träger von Gesimsen u. s. w.

Dachreiter: Kleines, auf dem Dachfirst meist über der Vierung sitzendes Türmchen.

Dielenköpfe: Schräg vorspringende Platten unter dem Kranzgesimse.

Dienste: Die an den Pfeilern der gotischen Kirchenbauten aufsteigenden halbsäulenförmigen Träger der Gewölberippen und Gurten.

Dipteros: Tempel mit Doppelsäulenreihe.

Diptychon: Zwei miteinander verbundene Schrift- oder Bildtafeln.

Diskus: Runde Scheibe zum Werfen.

Docke: Geländersäule, Baluster.

Dreipaß, s. Maßwerk.

Dreischlitz (Triglyphon): Kannelierte Stütze im dorischen Fries.

Echinus: Wulst am dorischen Kapitäl.

Eckblatt: Zierblatt an der Basis der romanischen Säule.

Eierstab: Verzierung des Wulstes der Kapitäle u. s. w., mit fortlaufenden Blattmustern ohne Mittelrippen in Eiform.

Email: Schmelz, mit Metalloxyden gefärbter Glasfluß.

Emblem: Metallverzierung, die auf Metallgefäße aufgelötet wurde; im übertragenen Sinne soviel wie Sinnbild oder Kennzeichen.

Empore: Galerie, Bühne, besonders über den Seitenschiffen der Kirche.

Enkaustik: Malerei mit Wachsfarben.

Entasis: Anschwellung des Säulenschaftes.

Epistyl, s. Architrav.

Epitaphium: Grabschrift, Grabplatte.

Eselsrücken: Geschweifter Spitzbogen.

Eurythmie: Das richtige schöne Verhältnis in der Bewegung der einzelnen Teile zum Ganzen, Gleichmaß.

Fachwerk: Im Gegensatz zu den sogen. massiven Bauten ein Bauwerk aus Holzbalken, Pfosten u. s. w. deren Zwischenräume mit Lehm- oder Ziegelgemäuer ausgefüllt sind. Der Fachwerkbau fand hauptsächlich im Mittelalter in Süddeutschland bei Wohnhäusern Anwendung.

Faience oder Fayence: Steingut, Halbporzellan mit farbigen Bleiglasuren.