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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

Schlagworte auf dieser Seite: Zur Toilette

Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Erscheint wöchentlich. Abonnement jährlich Fr. 2.50; als Beilage zum "Schweiz. Familien-Wochenblatt" gratis. Inserate die kleine Zeile 25 Cts.

Verlag von Th. Schröter, Obere Zäune 12, Zürich.

1903. 11. Juli. Inhalt: Die Toilette. - Zur Dienstbotennot. - Etwas für Hausfrauen. - Vermischtes

- Ungeziefer. - Gesundheitspflege. - Einmachkunst. - Hausmittel und Rezepte. - Kochrezepte. - Für die Küche.

- Briefwechsel der Abonnenten unter sich. - Inserate.

Zur Toilette.

Von Dr. J. Hertz.

(Schluß.)

Aber die Toilette, einmal zu dieser Bedeutung erhoben, sie erzeigt sich auch dankbar, wo diese Bedeutung anerkannt wird. Sie ist es, welche die natürliche Schönheit erst recht zur Geltung bringt, indem sie dieselbe in die rechte Beleuchtung stellt oder ihr die Folie leiht, die jede Erscheinung zu ihrer Wirkung bedarf. Nur die Amoretten, welche durch die üppigen Vorhänge ihres Putzzimmers lugten, bevor jene verführerische Circe des Morgenlandes den Nil hinab Antonius entgegenfuhr, wußten, welchen Anteil an dem Triumphe der sieggewohnten Stirn das geheimnisvolle Walten der Toilette hatte, und der fast magische Bann, welchen die Fürsten des Orients wie die Könige des Mittelalters auf das Volk ausübten, wenn sie sich demselben zeigten, er wurde in erster Linie durch den pomphaften Glanz der öffentlichen Aufzüge, durch die fascinierende Gewalt ihrer Goldgewänder und Edelsteine geübt.

Bei solchem Eindruck und Erfolg der Erscheinung hat es naturgemäß zunächst die Frau sein müssen, welche die Toilette zu einer Macht erhob, mit welcher sie, wie gesagt, immer und unaufhörlich zu rechnen hat, und von welcher die Reizendste sich vergebens emanzipiert.

War jene Wirkung nun an gewisse Bedingungen gebunden, deren vornehmste in der Anforderung bestand, daß unsere Kleidung stets ein Verständnis der äußeren Verhältnisse ausdrücke und sich in völliger Harmonie mit denselben befinden, so lassen sich daraufhin nun sehr allgemein gehaltene Gesetze aufstellen.

Sie lassen sich vielleicht sogar in die einzige Aufforderung zusammendrängen, nur alles Auffallende in der Toilette zu vermeiden! Nur dann darf diese als glücklich und gut gelten, wenn sie mit der ganzen Persönlichkeit nicht nur, sondern auch mit dem Rahmen der äußeren Umgebung so in Einklang steht, daß man sie gar nicht bemerkt, und stets wird die Abwesenheit jedes absichtlichen oder sich aus diesem Rahmen herausdrängenden Putzes als erste Bedingung einer geschmackvollen Toilette gelten.

Man muß also nach allen Richtungen hin angemessen erscheinen.

Der Begriff der Angemessenheit ist nun aber sehr vielseitig. Bezieht er sich zunächst auf die Person, so verlangt er eine Berücksichtigung der Gestalt, des Kolorits, der Haarfarbe, des Alters, der Beweglichkeit oder Steifheit und ein Vermeiden alles dessen, was die Harmonie der Erscheinung irgendwie stören könnte.

Ganz besonders ist Frauen von mittleren Jahren ein richtiges Gefühl für das ihnen Angemessene zu wünschen, damit sie weder zu lange die Prätensionen der Jugendlichkeit geltend, noch sich vor der Zeit alt aussehend machen. Es muß auch schöne Matronen geben, und nicht nur Jugend allein sprechen die Anweisungen, seine Erscheinung in das möglichst beste Licht zu stellen. Die Mode kommt ihnen durch ihre große Mannigfaltigkeit hierbei liebenswürdig entgegen, da ihr häufiger Wechsel das Ueberschlagen der einen oder andern, vielleicht nicht kleidsamen, erleichtert.

Das Alter, welches sich oft über die geringe, ihm zu Teil werdende Berücksichtigung der Mode beschwert, sollte sich vielmehr diesen Wink zu Nutzen machen, welche ihm unbedingt das Vorrecht einräumt, von einem gewissen durch das feinste Selbstgefühl zu bestimmenden Zeitpunkt an, bei der Mode still zu stehen, welche ihm gerade zusagt. Nur dadurch kann es vielen Unzuträglichkeiten und Unbequemlichkeiten ausweichen, und sich die stattliche Würde sichern, die der Ausdruck ruhigen Unbekümmertseins um das Treiben der bunten Menge ist.

Kommt der Ort in Betracht, so werden die Ansprüche der Angemessenheit sich wandeln, je nachdem die Toilette für das Haus, die Kirche, die Straße, die Promenade, für Besuche, Reisen, Gebirgsaufenthalt, Bad, Konzert, Theater, Diner Ball, kleinere oder größere Gesellschaft dienen soll. -

Auch die Tages- und Jahreszeiten ebenso