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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

Schlagworte auf dieser Seite: Küchenzettel für den Monat Juli

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keit), ihnen Sonntags Zeit zur Erfüllung ihrer religiösen Pflichten und zur Erholung, dann und wann ein Ruhestündchen gönnt. Zweckmäßig ist es auch, jährlich eine Lohnerhöhung eintreten zu lassen und zu Weihnachten, Neujahr, Namenstag ein den Verhältnissen und Bedürfnissen entsprechendes Geschenk zu verabreichen. Man hüte sich jedoch, abgelegte Putzsachen, Flitter, Hutschleier, Spitzen, Glace-Handschuhe, Kleider, die sich in Stoff und Schnitt nicht für ein Dienstmädchen eignen, zu schenken. Solche Gaben sind für das Mädchen nicht nur ohne Wert und Nutzen, sondern eher von großem Schaden. Ein einfaches bescheidenes Mädchen kann so zur Gefallsucht und Eitelkeit verführt werden. Eine Ausgabe ruft der andern; der Lohn wird rein aufgebraucht, schließlich stolziert das Mädchen an Sonntagen daher, daß man's für eine feine Dame halten könnte. Zu einem halben Dutzend Hemden aber bringt sie's nicht mehr.

Daß man dem Mädchen hinreichende kräftige Kost verabfolge, braucht nicht extra betont zu werden. Ein Mädchen, das oft noch im Wachstum begriffen ist, dazu körperlich arbeiten muß, bedarf ein reichlicheres Quantum. Wird ihm Nahrung gern, genügend, freundlich gewährt, so wird es sich weniger an Näschereien und Süßigkeiten vergreifen. Besser, man gehe mit dem Lohn nicht gar zu hoch, knausere aber nicht am täglichen Brot und behandle Dienstboten als Mitmenschen, nicht als notwendiges Uebel, sondern als Familienmitglied.

Damit aber ist durchaus nicht gesagt, daß die Frau das Mädchen zur Vertrauten machen soll, im Gegenteil, man hüte sich vor zu großer Vertraulichkeit und lasse das Mädchen nicht Zeuge etwaiger häuslicher Differenzen werden.

Muß ein Mädchen entlassen werden, so stelle man das Zeugnis so aus, daß man mit gutem Gewissen jederzeit dazu stehen kann.

Ist schon viel Einsicht und Takt erforderlich, um nur einen Dienstboten immer und überall richtig zu behandeln, so ist dies weit mehr der Fall, wenn man mehrerer bedarf. Hier ist bei der Wahl doppelte Vorsicht geboten; denn ein einziger schlechter Dienstbote kann die guten in kurzer Zeit zur Unzufriedenheit und Ungenügsamkeit verleiten. Damit das Hauswesen seinen geregelten Gang gehe, teile man die Arbeiten so, daß jeder Dienstbote seine besonderen Obliegenheiten zu erfüllen hat, damit sich nicht einer auf den andern verlasse, der erste die Arbeit dem zweiten und dieser einem Dritten uuschiebe. Doch soll sich jeder in Notfällen auch bereit zeigen, bei Arbeiten, die nicht seinem "Departement" angehören, Hand anzulegen.

Ein Hauptmittel, gute Dienstboten heranzuziehen, liegt im guten Betspiel der Herrschaft; denn auch hier gilt das Sprichwort: "Worte bewegen, Beispiele reißen hin." Die Frau gehe in den Tugenden, die sie an dem Gesinde zu sehen wünscht, mit gutem Beispiel voran, namentlich in Bezug auf Wahrhaftigkeit und treues Halten eines gegebenen Wortes, Selbstbeherrschung, Selbstverleugnung und Geduld. Pflegen wir diese lieblichen Tugendblüten und vergessen wir auch des grünen, dreifachen Kleeblattes nicht, von welchem das erste "Sparen", das zweite "Berechnen" und das dritte "Arbeiten" heißt, so wird auch das vierte, das "Glücksblättchen" hervorsprossen. Es wird auch in den Herzen unserer Untergebenen fröhlich grünen zu unserm und ihrem Glücke.

Tragen wir in angedeuteter Weise zur geistigen und sittlichen Hebung unserer Dienstboten bei und halten wir uns vor Augen, daß wir noch erziehen müssen, so werden wir der Dienstbotennot steuern können, kommen dem Ziele, gute Dienstboten zu haben, um vieles näher. Des Dichters Wort gilt auch heute noch, gilt auch uns:

Treu Dienenden sei doppelt liebevoll,

Verdienet er doch mehr, als du ihm gibst,

Wär's noch so reichlich, wenn du ihn nicht liebst

Und kalt nur forderst des Gehorsams Zoll;

Lieblos Gebot lahmt des Gehorchens Pflicht

Und wandelt froh sie in die schwerste Bürde.

Wer nur zu tun gewöhnt wird, wie er muß,

Lernt leicht zu tun vergessen, wie er soll.

Anstatt der Freude nährt er den Verdruß,

Und den Verdruß erzieht er sich zum Groll,

Zum allgemeinen Hasse und Mißgönnen

Jedweden Schicksals, das ihm freier scheint,

Als sein's er fühlt; so wird er selbst sich Feind,

Und Feinde sind ihm, die gebieten können.

H.

Küchenzettel für den Monat Juli.

1. Hälfte.

1. Einfacher Tisch.

Sonntag: Suppe mit gebähten Brotschnitten. Gebratenes Schaffleisch mit jungen Bohnen und gesottenen neuen Kartoffeln. Einfacher Kirschenkuchen.

Montag: Französische Nationalsuppe *). Rindfleisch, Sensfauce.

Dienstag: Kartoffelsuppe. Saurer Rindsbraten mit gerösteten neuen Kartoffeln *) und gedämpftem Sommerkohl.

Mittwoch: Reissuppe. Gekochte Kirschen und Omeletten. Käse.

Donnerstag: Brotsuppe. Spießlein *) von Kalbsleber mit Bohnen und Kartoffeln.

Freitag: Erbsensuppe. Spätzli mit Rhabarberkompot. Kirschen- oder Heidelbeerkaltschale.

Samstag: Gerstensuppe. Rindfleisch mit Kohlraben und Kartoffelstängeli.