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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

Schlagworte auf dieser Seite: Gicht und Rheumatismus

Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus, XIII. Band. Nr. 9

Erscheint wöchentlich. Abonnement jährlich Fr. 2.50; als Beilage zum "Schweiz. Familien-Wochenblatt" gratis. Inserate die kleine Zeile 25 Cts.

Verlag von Th. Schröter, Obere Zäune 12, Zürich.

1903. 29. August. Inhalt: Gicht und Rheumatismus. - Wie und was der Chinese ißt. - Wirtschaftliche Ratschläge. - Schlaflosigkeit. - Ein Wink für Hausfrauen. - Haus- und Zimmergarten. - Handarbeit. - Gesundheitspflege. - Hausmittel und Rezepte. - Einmachkunst. - Kochrezepte. - Briefwechsel der Abonnenten unter sich. - Inserate.

Gicht und Rheumatismus

sind nahe Verwandte und zwei der schrecklichsten Plagegeister der Menschheit. Unter zehn Großstädtern, welche eine sitzende Lebensweise am Schreibtische führen und die Fünfzig überschritten haben, gibt es wenigstens fünf, welche an Gliederreißen, Gicht, Rheumatismus oder Verdauungsstörungen leiden, und wenn zwei Männer oder Frauen in vorgerückten Jahren einander begegnen, so ist es eine Seltenheit, daß ihr Gespräch nicht auch dies unheimliche Kapitel behandeln würde. Die Krankheitsursache schreiben viele Aerzte den vollen Schüsseln und gefüllten Gläsern zu. Durch Uebermaß im Genusse von Fleisch, Gewürzen und Alkohol wird das Blut scharf und die Funktionen des Körpers leiden Störung. Das Blut kann die sich ansammelnden Harnsäuresalze nicht ausscheiden und die schönste Gicht hat den Aermsten mit allen seinen Foltern gepackt. Durch Stockung des Blutes im feinen Haargefäß- oder Zellgewebe, sehr oft veranlaßt durch schnelle Abkühlung der erhitzten Haut, sind die ausscheidenden Organe, Haut, Nieren, Leber, nicht im Stande, den durch die Speisen dem Blut zugeführten Kohlenstoff in genügender Weise wieder auszuscheiden. Wir haben den Rheumatismus. Er ist also auch einem schlechten Zustande des Blutes zuzuschreiben. Obwohl man in neuerer Zeit mit gar verschiedenen Mitteln gegen diese Feinde zu Felde zog, ich erinnere an die Salicylsäure, an die Zitronenkur, Herbstzeitlose, ist man doch gar bald wieder abgekommen, da alle diese Mittel sehr unangenehme Nebenwirkungen im Gefolge hatten. Was ist nun zu tun, was raten die Aerzte? In der Regel weiter nichts als diäte Lebensweise und viel Bewegung. Sie verbieten den Genuß von fetten Saucen, fettem und vielem Fleische, Wein, Bier, und gestatten mehr eine vegetarische Kost, viel Gemüse, Obst, Salate, Wasser und Früchtsäfte. Die Naturheilmenschen und Hygieniker erblicken in Pflanzen und Kräutern den Erretter und auch wir sind nicht abgeneigt, einen Versuch damit zu machen, da doch der gütige Schöpfer in den Schoß der Mutter Natur so manche Heilkraft gelegt hat. Es sei uns daher gestattet, alles das in's Feld zu führen, was Autoritäten empfehlen oder Laien durch zufällige Versuche fanden.

1. Salicylsäure in den Erdbeeren wurde von L. Portes u. A. Desmoulières ("Journ. de Pharm. et Chem.") als normaler Bestandteil der Früchte nachgewiesen. Sie fanden in 1kg frischer Erdbeeren etwa 1mg reiner Salicylsäure, welche aller Wahrscheinlichkeit in Form von Salicylsäuremethylester in den Früchten enthalten ist. Diesem Salicylsäuregehalte ist jedenfalls die von Alters her gerühmte Wirksamkeit der Erdbeeren gegen Rheumatismus zuzuschreiben (Pharm. Rundsch.) Wenn die Salicylsäure in so vorzüglicher, d. h. echt physiologischer Form dem menschlichen Organismus zugeführt wird, so braucht man sich über die eklatante Wirkung des Genusses frischer Erdbeeren auf Rheumatismus und Gicht nicht zu wundern.

2. Gegen Gicht hat sich folgendes Mittel gut bewährt: Eschenblüte und Hollunderblüte vermischt drei Stunden lang in Wasser kochen und dieses Wasser zu Fußbädern gebrauchen. Es wird versichert, daß hierauf die Gicht in drei bis vier Tagen gänzlich verschwindet. Oder: Man nimmt gewöhnliches Kochsalz, füllt es in Säckchen und legt es gut erwärmt auf die kranke Stelle. Dies wird wiederholt, bis die Krankheit beseitigt ist. So oft das Säckchen kalt wird, ist das Salz wegzuschütten und frisches einzufüllen.

3. Eschenblätter ein vorzügliches Mittel gegen Rheumatismus. Es half in jedem angewendeten Falle gründlich. Eschenblättertee heilt selbst den schlimmsten Fall von Rheumatismus, schreibt ein amerikanisches Blatt.

4. Die Heilung der Gicht befördert die Einreibung der Gichtstellen mit folgender Flüssigkeit: Ein rohes Ei wird mit der Schale in eine mit Essig gefüllte Tasse gelegt. Nach ungefähr zwei Tagen wird sich die Schale aufgelöst haben. Dann kommt noch ein kleines Quantum Terpentinöl dazu.

5. Preißelbeeren als Heilmittel gegen