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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kindergärtnerin in der Familie; Eine Arbeit für Großmütter

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so haben sie ihren Zweck vollkommen erreicht. Schreiberin ist überzeugt: viel mehr als es bis dato geschieht, ließe sich durch gegenseitige Gastfreundschaft zum Wohlergehen beitragen ohne große Unkosten, da sowohl die Stadt als das Land des Schönen so viel bieten. M. v. K.

Eine Arbeit für Großmütter.

Häufig hört man von alten Damen die Klage, daß sie nicht mehr imstande seien, feinere Handarbeiten anzufertigen. Selbst beim Strickzeug versagen die müden Augen den Dienst, wenn's an das Zählen geht, gar bei den beliebten schwarzen Strümpfen, wie sie die Enkelkinder fast ausschließlich tragen. Das Lesen will ebenfalls nicht mehr so recht gehen, und die Zeit wird der lieben Großmutter mitunter recht lang.

Ich möchte hier auf eine Arbeit aufmerksam machen, die auch bei schwachen Augen noch gut geleistet werden kann und die zugleich einer zweiten Kalamität abhilft, dem Ansammeln von Lappen, die zum Verbrennen noch zu schade sind. Seit Jahren werden in unserem Haushalt alle Stoffreste, mit denen sonst nichts anzufangen ist, zu Läufern verarbeitet. Die Lappen, große und kleine, schwarze, weiße, farbige, werden in fingerbreite Streifen geschnitten, sehr dünne Stoffe, Kattun z. B. etwas breiter, dicke, wie Tuch u. dgl., schmäler. Man kann jeden Stoff benutzen; auch kommt's auf die Form der Lappen nicht an, nur bei sehr dünnen nehme man sie nicht schräg.

Hat man einen tüchtigen Vorrat zusammen, so menge man die geschnittenen Streifen gut durcheinander damit die Farben ordentlich gemischt werden. Alsdann näht man mit ziemlich kräftigem Zwirn (Maschinenzwirn schwarz od. weiß, Nr. 30) mit 2-3 festen Stichen die einzelnen Streifen an den Enden übereinander und wickelt sie auf große Knäule. Hat man eine Anzahl solcher Knäule zusammen, so übergibt man sie einem Weber, der sie mit nicht zu starkem Bindfaden zu Läuferstoff verwebt. Länge und Breite muß man angeben. Die Kosten sind sehr gering im Vergleich zu der unübertroffenen Haltbarkeit der Läufer, die sich auf Korridors und Treppen als Bettvorlagen und zum Schonen der Fußböden ausgezeichnet verwenden lassen. Sind sie auch nicht sehr elegant, so ist ihr Aussehen doch recht hübsch und an Haltbarkeit übertreffen diese Läufer fast jeden gekauften bei weitem.

Vielleicht versucht manche liebe Großmutter die vorgeschlagene Arbeit, die eines gewissen Reizes nicht entbehrt. Beim Anblick so manchen Stoffrestes steigt ein liebes Bild aus der Vergangenheit auf. In dem Kleid hat die Aelteste die ersten Ballfreuden genossen, jener Lappen stammt von einem Kittel des einzigen Sohnes, und ein Stück vom ersten Sofabezug im eigenen Haushalt zaubert die selige Zeit jungen Glückes herbet. Und gern wird Großmutter den zuschauenden Enkelkindern allerlei erzählen von den einzelnen Lappen und ihrer Geschichte. X.

Die Kindergärtnerin in der Familie.

Von Fr. A. Fischer.

Viele junge Mädchen treten in Familien ein, um der Mutter bei ihrem schweren Erziehungsamte eine Stütze, den Kindern eine Führerin und Gespielin zu sein. Sie tragen den schönen Namen "Kindergärtnerin". Sie sind bekannt gemacht mit den Gründen einer vernünftigen Erziehung, sind vertraut geworden mit der Körperpflege der Kleinen, haben gelernt, in des Kindes Seele zu lesen, kurz, sie haben den besten Willen, treue und gewissenhafte Schülerinnen des großen Meisters Friedrich Fröbel zu sein! Wie sollten sich da unsere Mütter freuen, eine zuverlässige Gehilfin zu bekommen, der sie ohne Sorge ihr Liebstes anvertrauen können, denn eine wahre Kindergärtnerin wird stets ein wachsames Auge für alle Gefahren der ihr von Gott anvertrauten Zöglinge haben. Nun sollte man annehmen, daß die Stellung der Kindergärtnerin in der Familie eine angenehme wäre; doch dem ist leider längst nicht so. Gar manches tüchtige, pflichtgetreue Mädchen ist nicht glücklich in dem Berufe; ich muß sogar sagen, daß ich eine zufriedene Familien-Kindergärtnerin höchst selten angetroffen habe. Trägt die Schuld daran wohl stets das junge Mädchen?

Wie in jedem Berufe, so gibt es auch unter den Kindergärtnerinnen viele, die diesen Namen nicht verdienen, auch schaden die sogenannten "Kinderfräulein" dem Stande ganz außerordentlich. Es besteht ein erheblicher Unterschied zwischen einem "Kinderfräulein" und einer gewissenhaft vorgebildeten Kindergärtnerin. Das weiß wohl jede Mutter, die sich eine Erzieherin für ihre Kinder nimmt. Woher kommt es nun aber, daß Mutter und Kindergärtnerin so selten Hand in Hand arbeiten? Letztere hat meist einen schwierigen Stand. Sie befindet sich in abhängiger dienender Stellung und doch gehört sie nicht zu den Dienstboten, obgleich es viele Damen gibt, die sich nicht scheuen, sie diesen gleichzustellen. Das ist ein großes Unrecht, denn "Erziehungsarbeit" ist wahrlich keine "Dienstbotenarbeit".

Welch schweren Kampf hat die Kindergärtnerin namentlich in der ersten Zeit mit oft eigensinnigen Zöglingen durchzumachen, wie viel Liebe, Selbstverleugnung und Ruhe gehören täglich aufs neue dazu! Traurig fürwahr, wenn sie nicht durch die Eltern und besonders durch die Mutter unterstützt wird! Selbstverständlich ist die Mutter die Autorität in der Kinderstube, aber