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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

Schlagworte auf dieser Seite: Fortschritte in der Hauswirtschaft.

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Von den Launen und der Dummheit des mit ihrer Bedienung Betrauten gänzlich abhängig ist und daß in einem kalten Frühjahr die Heizung womöglich zu einem Zeitpunkt eingestellt wird, wo man ihrer noch dringend bedarf. Gas- und Petroleumheizung sind ebenfalls noch wie die elektrische sehr teuer und werden überhaupt kaum wesentlich billiger werden. Die ordinären eisernen Oefen geben aber keine anhaltende Wärme. Es bleiben somit eigentlich nur noch der altehrwürdige Kachelofen und die in neuester Zelt so sehr in Aufnahme gekommenen Dauerbrandöfen übrig. Ersterer hält zwar die Wärme lange fest, arbeitet aber doch sehr verschwenderisch, weil die glasierten Kacheln nur wenig Wärme in das Zimmer gelangen lassen. Obendrein baut man sie in großen Städten gerne ohne Rost, sodaß man nur Holz, Torf oder die elenden Briketts in ihnen verfeuern kann. Der Dauerbrandofen dagegen ist diejenige Form des Ofens, welche die zur Zeit beste Ausnutzung des Heizmaterials gestattet. Die jedem Geschmack Rechnung tragenden gefälligen Formen, in denen er fabriziert wird, gestatten seine Verwendung auch in eleganten Räumen, sodaß seine Verwendung im weitesten Umfange empfohlen werden kann.

Fortschritte in der Hauswirtschaft.

Blicken wir zurück in die Vergangenheit, so müssen wir anerkennen, um wie viel schwerer die Anordnungen waren, welche in den früheren Jahrhunderten an die Frau in der Hauswirtschaft gestellt wurden, wie sehr verschieden von den jetzigen die damaligen Verhältnisse und wie so außerordentlich erleichtert durch die Erfindungen der Neuzeit die Führung des Haushaltes geworden ist.

Eines der kleinsten Wirtschaftsgegenstände ist das Streichholz. Die Geschichte des scheinbar geringfügigen Streichhölzchens lehrt, wie schwer unfern Voreltern das Lichtanzünden gemacht war, und wie glücklich wir uns schätzen können, in einem so lichtvollen Jahrhundert wie das jetzige zu leben. Wie würden unsere Voreltern erstaunt sein, sähen sie die elektrische Flamme als Selbstzünder von Krone zu Krone in den Sälen springen und, ohne daß eine Hand sichtbar wird, sie alle zugleich lichtvoll erstrahlen, oder wenn mit der Drehung an einem Knopf die Finsternis weicht und das elektrische Licht alles tageshell beleuchtet.

Die Art des Feueranzündens war früher eine schwierige. In Deutschland gab es bis Ende des 17. Jahrhunderts kein anderes Feuerzeug als das sogenannte thüringische; dieses bestand aus einem viereckigen Blechkästchen, dessen Inhalt Stahl, Feuerstein, Schwefel und Zunder bildete, den letzteren bereiteten sich die Hausfrauen meist von alten Strümpfen, die sie lange am Lichte sengten, bis sie, ohne zu verbrennen, auseinander fielen, wobei man aufpassen mußte das richtige Maß zu treffen, da sonst das Zeug den Funken nicht auffing, wenn man denselben von Stahl und Feuerstein erzeugte. Dies Fünkchen fachte man mit dem Atem an, um daran den Schwefelfaden zu entzünden, eine um so schwierigere Arbeit, als der Zunder leicht feucht wurde und dann kein Feuer fing. Nun denke man sich die Situation, wenn der Abend herannahte, plötzlich Besuch kam oder eilige Arbeit vorlag, und man so lange anschlagen mußte, bis der Stahl den Funken gab und der Zunder ihn fing; da wird man den Sinn des alten Spruches verstehn: "Eine gute Hausfrau muß stehts sorgen, daß das Herdfeuer nicht verglimme oder daß das Lämpchen verlösche". Man vermochte sich eben dadurch eine Erleichterung zu verschaffen, daß man die Funken in der Asche stets wieder anfachte oder daß man ein ewiges Lämpchen brennen ließ, welches man immer wieder mit frischem Oel füllte, sonst gab es wegen des Lichtanzündens oft Verdruß und viel Aufenthalt.

Es wurden wohl im Laufe der Zeit einige Feuerzeuge erfunden, doch fanden dieselben in Deutschland wenig Verbreitung, da dieselben zu kostspielig und wenig praktisch waren. Erst eine Entdeckung, welche im Jahre 1806 von Bertoley gemacht wurde, jedoch erst einige Jahre später Verwertung fand, befreite die Hausfrau von Stahl und Feuerstein. Es war dies die Erfindung des Tunk- oder auch Tauchfeuerzeug genannt; es bestand aus einer Flasche, gefüllt mit Asbest, welches mit konzentrierter Schwefelsäure getränkt war, hierzu Hölzchen, viel länger und dicker als die jetzigen, welche an einem Ende mit Schwefel und chlorsaurem Kali, Zucker und Zinnober überzogen waren und die man in das Fläschchen eintauchte. In anderer Weise stellte man diese Feuerzeuge her, indem man die Hölzchen in eine Mischung von Phosphor und Schwefel tauchte. Endlich wurden die Phosphorhölzchen erfunden, doch war deren Verwendung zuerst nicht ganz ohne Gefahr und Unbequemlichkeit, da sie selbst in nicht angebranntem Zustand einen starken Schwefelgeruch verbreiteten, auch entzündeten sich die Hölzchen in trockener Hitze bei der geringsten Reibung von sich selbst; deshalb wurden diese Streichhölzchen in ziemlich feste Kästchen zwischen Sägespähnen sogfaltig verpackt, sie krachten und sprühten schrecklich bei der Reibung auf dem rauhen Schachteldeckel und machten diese Uebelstände den Chemikern und Fabrikanten viel zu schaffen, doch schnell gelang es den Bemühungen derselben, die Hölzchen so herzustellen, daß sie sich ohne besonderes Geräusch entzündeten. Im Jahre 1848 erfand Professor Böttcher in Frankfurt a. M. das Sicherheits- oder Schwedische Stretchhölzchen, und welche große Vervollkommnung dieses erreicht hat, ist ja allbekannt.