Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

226

Spaltpilze oder Bakterien; 2. Streptokokken oder Kugelpilze; 3. Sproß- oder Hefepilze; 4. Fäden- oder Schimmelpilze. Dieselben vermehren sich entweder durch Teilung oder Sporenbildung. Sie kommen bei ihnen zusagendem Nährboden und ihnen zusagender Temperatur in ungeheurer Anzahl, infolge ihrer beispiellos raschen Vermehrung vor. Sie gehören mit zum organischen Leben, ohne sie wäre ein Leben auf dieser Erde in kurzer Zeit unmöglich. Denken Sie nur an die Fäulnisbazillen, welche alle Zerfallstoffe des menschlichen Lebens zersetzen und unschädlich machen und damit fortwährend eine ungeheure und dem organischen Leben segensreiche Tätigkeit leisten. Im Gegensatz dazu sind die pathogenen Bakterien dem menschlichen Körper unter Umständen sehr gefährlich. Pathogen nennen wir die Bakterien, welche im menschlichen Körper Krankheiten erzeugen. Sie sind dem Menschen aber nur dann gefährlich, wenn sie sich in den Geweben ansiedeln und sich vermehren können, und das können sie im normalen menschlichen Gewebe nicht.

Das neugeborene Kind ist im Momente, wo es auf die Welt kommt, absolut bakterienfrei. Aber schon nach einer Stunde sind, durch Mund und After, teils durch das Aus- und Einatmen, Bakterien eingedrungen. Sie sind aber auch notwendig, da es ohne gewisse Bakterien nicht einmal eine richtige Verdauung gibt.

Also Abhärtung ist mehr als nur Schutz gegen Erkältung. Abhärtung bedeutet überhaupt Verstärkung der Lebensenergie, das heißt Verstärkung der Verteidigungsorgane des menschlichen Körpers.

Mit der Abhärtung will man den Körper fähig machen, nicht nur die täglichen, sondern auch die außergewöhnlichen Einwirkungen, Anstrengungen oder Entbehrungen zu überwinden, indem man die Leistungsfähigkeit eines Organs oder einer Organgruppe nach einer bestimmten Richtung zu erhöhen sucht. Solches kann man innerhalb gewisser Grenzen erreichen durch vorsichtig gesteigerte Anspannung der Tätigkeit des betreffenden Organs, wobei der Arbeitsleistung jedesmal die nötige Ruhe folgen muß. Letztere ist notwendig, weil die Ueberspannung, sei es der Höhe oder Dauer der geforderten Leistung nach, zur Abspannung oder zur Erkrankung führen muß. Das Herz z. B., welches der Bergsteiger durch richtige Steigerung der zugemuteten Arbeit, unter richtiger Einhaltung von Erholungszeiten, zu bedeutenden Leistungen befähigen kann, erlahmt und bleibt für immer geschwächt, wenn demselben einmal eine übergroße Arbeit zugemutet oder wenn demselben bei allzuforcierten Touren gar keine Ruhe gegönnt wird. Ebenso ist es mit der Widerstandsfähigkeit der Haut gegenüber Kälteeinflüssen.

Wir müssen zwischen körperlicher und geistiger Abhärtung unterscheiden:

Zur körperlichen Abhärtung gehört in erster Linie die Gewöhnung an Kälte- und Wärmeeinflüsse, mit anderen Worten, die Hautabhärtung; dann aber auch die Stärkung der übrigen Organe, der Muskeln, des Herzens, des Magens und Darmes, der Sinnesorgane. Zum Beispiel können wir Herz und Muskeln dazu erziehen, daß sie momentane Arbeitsleistungen ohne Schaden vollbringen können, wie es ein Wettlauf, eine Regatta, ein Velorennen darstellt. Eine derartige Erziehung nennt man Trainieren. Dasselbe erfordert erfahrene und umsichtige Anleitung, nicht nur bloße Erhöhung der Muskelkraft, sondern zielbewußte Einhaltung einer bestimmten Lebensweise. Die Abhärtung des Magens und Darmes erfolgt in der Weise, daß man sie vorsichtig daran gewöhnt, auch Speisen, die als unverdaulich gelten, wenn auch nicht zu verdauen, so doch zu bewältigen und ohne selbst Schaden zu nehmen, wieder zu entfernen. Darin wird gerade in besseren Familien viel gesündigt. Aengstlich werden die Kinder, in einem Alter, wo der Darm schon recht leistungsfähig ist, vor allen möglichen eingebildeten Schädlichkeiten bewahrt. So bekommen oft zwei- und dreijährige Kinder nur abgekochte, sterilisierte Milch, wenn auch die Kinder Widerwillen gegen solche Milch haben und lieber eine Tasse frischer Milch genießen würden. Die Frage des Genusses ungekochter Milch hat einen mächtigen Schritt vorwärts getan. Professor Koch, der ver- ^[folgende Seite]