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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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für das zweite Frühstück kann abgetrennt werden und ist dann eine allerliebste Ansichtspostkarte. Einige dieser Speisekarten sind wahre kleine Kunstwerke, besonders die Festkarten zu gewissen feierlichen Gelegenheiten: Kaisers Geburtstag, erste Ausreise eines Schiffes u.s.w. Das Essen, das auf diesen Riesenschiffen bekanntlich bis an die Grenzen der Schwelgerei geht, bekommt durch diese künstlerische Ausstattung und den sprachlich einwandfreien Inhalt der Speisekarten, ich möchte sagen, etwas Poetisches und Veredeltes.

Ueber die glänzende, vielleicht sogar überreiche Verpflegung an Bord der größten deutschen Dampfer herrscht ja bei allen Reisenden, aber auch über deren Kreise hinaus, nur eine Meinung. Ich wüßte für Genesende, denen der Arzt eine besonders reiche Ernährung empfohlen, nichts besseres, als auf einem der Riesenschiffe des Lloyds oder der Hamburg-Amerika-Linie eine möglichst lange Reise zu machen oder vielleicht auch nur nach New-York und zurück. Hin und wieder werden ja schon jetzt solche Reisen für Genesungszwecke tatsächlich von klugen Aerzten empfohlen.

(Schluß folgt.)

Unsere Kinder bei Tische.

Daß wir unsere Kleinen vom ersten Tage an erziehen müssen, weiß heute jede intelligente Frau. Sie will ja ihr Liebstes auch von andern wohlgelitten sehen. Hierzu ist in erster Reihe erforderlich, daß dem Kinde vom Erwachen feines Intellekts an die Gesetze des guten Tones eingeprägt werden. Der reizendste Blond- oder Braunkopf wird seinem Nachbar (namentlich bei Tische) höchst unangenehm, wenn er mit den Formen der guten Sitte - insbesondere der Eßkunst - nicht genügend bekannt gemacht wurde. Zur Ferienzeit verläßt eine große Anzahl von Kindern den Familientisch, an welchem das nachsichtige Elternauge vieles duldet, ja, übersieht, das in fremder Umgebung durchaus nicht dieselbe Rücksichtnahme und milde Beurteilung findet. - Am Essen erkennt man den Bildungsgrad des Menschen - ist ein altes Wort. Es müssen sonach den Kindern vom zartesten Alter an korrekte Tischmanieren eingeimpft werden. Vor allem gewöhne man dem Kinde "schlechte Gewohnheiten" ab. Am strengsten achte man auf folgende, in der "kleinen Welt" am häufigsten vorkommenden Unzukömmlichkeiten, die am Gasthaustische oder an der Table d'hote ^[richtig: Table d'hôte] gar übel vermerkt werden. Nicht in die Suppe blasen. Den Löffel nicht mit der Breitseite, sondern mit der Spitze zum Munde führen. Das Essen nicht mit Behagen schlürfen. Nicht mit dem Brot spielen. Kartoffeln nicht mit dem Messer schneiden. Beim Essen des Fisches kein gewöhnliches Messer brauchen (in Ermangelung des Fischmessers die Gabel oder ein Stückchen Brot). Niemals die Portionen auf der Servierschüssel kleiner schneiden wollen. Nicht zu viel auf einmal oder den Aufputz der Schüssel in den Teller laden. Gewähltes nicht auf die Schüssel zurücklegen. Mit dem Servierenden keine Konversation führen. Die Speisen ja nicht mit dem Messer zum Munde führen. Keine großen Bissen machen. Die Sauce auf dem Teller nicht mit Brotscheiben aufwischen. Nie eine Tasse zum Munde führen, in der sich ein Löffel befindet. Nicht mit dem eigenen Messer oder gar mit dem Händchen ins Salzfaß fahren. Des Zahnstochers sich nur hinter der Handfläche, besser gar nicht bei Tische bedienen. Wenn etwas im Essen entdeckt wird, was nicht hineingehört, es nicht laut der Mama erzählen, sondern stillschweigend auf den Tellerrand legen. Nicht mit vollem Munde sprechen. Beim Nehmen von Süßigkeiten nicht unbescheiden sein. Keine Bonbons oder gar Obst in die Taschen stecken. Geflügelknöchelchen dürfen nur am Familientische zum Munde geführt werden. (Besser also, es gar nicht dulden!) Salat bloß mit der Gabel essen. Kompott wird mit dem Kompottmesser, nie mit Messer oder Gabel zerteilt. Das Kind darf dabei den Teller bis zur Brusthöhe erheben. Auch ist ihm erlaubt, was den Erwachsenen nicht gestattet, die Serviette vorzustecken. Das Tafelbrötchen wird gebrochen, nicht geschnitten. Die Gabel gehört immer in die linke Hand. Zucker wird mit der Zuckerzange oder dem eigenen, ungebrauchten Löffel genommen. An der Table d'hote ^[richtig: Table d'hôte] findet kein Wünschen einer "Gesegneten Mahlzeit" statt. Diese Tischregeln wie die Gesetze des guten Tones im Allgemeinen müssen dem Kinde sozusagen ins Blut übergehen, so daß es beim später Erwachsenen von seinem Nächsten nicht als bloße Form, sondern als sein eigenstes Wesen wohltuend empfunden wird, als jene Wohlerzogenheit, die das unleugbare Merkmal der gebildeten Stände ist.

(Nach Bresl. G.-A.)

Hausmittel und Rezepte.

Um die Kastanien und Zitronen lange frisch zu erhalten, legt man sie in trockenen Sand. - Verschiedene Sorten Schwämme, Pilze, auch Trüffel darunter werden getrocknet, pulverisiert und in Büchsen aufbewahrt. Eine Prise davon gibt jeder Sauce einen feinen Geschmack. - Beim Verschließen von Konfitür-Töpfen wird das erste Papier nicht in Kirsch getaucht, sondern auf beiden Seiten mit Glyzerin bestrichen. - Um einen Blumenstrauß recht lange frisch zu erhalten, gibt man etwas Salmiakgeist in das Wasser. - Um gelb gewordenes Elfenbein