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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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allgemein beliebt sind bei Jung und alt, bei Reich und Arm, aber nur wenige, denen an einer einträglichen Erwerbsquelle gelegen ist, kommen auf den Gedanken einer Kanarienvogelzüchterei. Es muß dies umsomehr bedauert werden, als diese Beschäftigung ebensowohl im kleinen wie im großen Maßstabe betrieben werden kann, außerdem ist die Arbeit bei der Zucht und Pflege der Vögel derartig, daß auch kranke Personen, die ans Zimmer gefesselt sind, in ihr ein wahres Universalmittel gegen Langeweile zu finden vermögen, ganz abgesehen von dem hohen Interesse, welches gerade ein solches Unternehmen, auch wenn's keine Erwerbsquelle sein soll, in jedem fühlenden Menschen hervorrufen muß. Aehnelt doch das Leben und Treiben in einer Kanarienhecke so ganz der menschlichen Familie, da wird bei Zeiten sorgsam für die Aufnahme des Zuwachses gesorgt, da wird gefüttert und gejubelt, aber gar oft auch entpuppen sich die Eltern als Rabeneltern und die Jungen erfordern dann umsomehr der menschlichen Pflege und Erziehung, oft auch kommen wahre Gassenjungen ans Licht der Welt, böse Buben, voll Haß gegen die Geschwister und selbst gegen die Eltern. Da leistet dann natürlich einige Sachkenntnis vortreffliche Dienste. Die Erfahrung führt am besten hiezu; im Anfang ist aber ein eingehendes Lehrbuch der Kanarienvogelzucht, wie es z. B. der bekannte Dr. Karl Ruß bereits in 9. Auflage erscheinen ließ, ganz unerläßlich. Selbstverständlich muß auch entschieden geraten werden, zunächst in kleinerem Maßstab die Zucht zu betreiben und sein Augenmerk darauf zu lenken, nur möglichst gute Sänger zu erhalten. Solche werden gern mit 10-30 Fr. und noch mehr bezahlt, und da ein Pärchen jährlich 8-12 Junge zur Welt bringt, so kann man leicht ermessen, wie auch eine nur kleine Zucht nennenswerte Erfolge verbürgt.

Es ist vielfach die Ansicht verbreitet, daß zur Kanarienvogelzucht besondere Einrichtungen und Räume gehören; es muß dies jedoch verneint werden. Man kann die Vögelchen in jedem einfachen Käfig, der Raum für 8 bis 10 Vögel bietet, ziehen und ebenso genügt zur Aufstellung des Käfigs jedes geräumige Zimmer, nur muß dies möglichst warm sein. Da das Paaren im März und April geschieht, empfiehlt sich ein warmer Ofenplatz als am geeignetsten. Als Nestchen dient ein Weidenkörbchen, das mit weichem Flanell ausgefüttert und in einer Ecke des Käfigs auf einem Eckbrettchen angebracht wird, damit etwa herausfallende Junge aufgefangen werden. Zum Bauen gibt man Watteflöckchen, gezupftes Leinen, zerschnittene Holzwolle und dergl. Das Weibchen wähle man nicht zu jung; man kann einen einjährigen Hahn nehmen, das Weibchen muß jedoch älter sein. Will man von vornherein kräftige Junge erziehen, so beginnt man gleich nach dem Zusammensperren mit der Eierfütterung, bestehend aus hart gekochten Eiern, deren Weiß und Gelb möglichst klein gewiegt und zur Hälfte mit frisch geriebenem Zwieback vermengt wird. Vorläufig genügt ein halbes Ei pro Tag, sind jedoch die Jungen ausgeschlüpft, so muß für 4-6 Junge ein ganzes Ei oder mehr gereicht werden. Man gibt das Eifutter täglich 2-3mal und zwar immer nur frisch, weil der Rest stets etwas säuert und in diesem Zustand den Jungen sehr nachteilig werden kann. Auch ein großes Stück Sepia muß immer im Käfig liegen, streng zu vermeiden sind jedoch Eierschalen, da von diesen die Vögel auf den Geschmack kommen und nur zu oft die eigenen Eier anfressen. Neben dem Eifutter gebe man immer reichlich das besondere Kanariensingfutter, mit etwas gequetschtem Hanf dazwischen. Sobald die jungen Vögel anfangen, selbständig zu fressen, müssen sie von den Eltern getrennt und in ein eigenes Bauer gesperrt werden. Besondere Sorgfalt hat man seinen Vögeln während der Mauserzeit zu widmen, die für viele gefährlich werden und zu allerlei Krankheiten führen kann.

Etwas über die Augenpflege.

Es ist besonders in den letzten Jahren vielfach aufgefallen und durch ärztlichen Untersuch dargetan worden, daß während der Schulzeit die Augen der Kinder sich verschlechtern. Nachstehende Belehrung über die Augenpflege, welche die Direkton ^[richtig: Direktion] eines deutschen Gymnasiums den Eltern der Schüler zustellte, dürfte vielleicht auch hier etwelche Wirkung ausüben, denn erfahrungsgemäß reicht die Sorge der Schule für richtige Körperhaltung und Schonung der Augen nicht aus, wenn nicht auch das Elternhaus das Bestreben der Lehrer energisch und fortgesetzt unterstützt.

Obengenannte Direktion macht die Eltern der Schüler auf folgende Punkte aufmerksam:

Lesen und Schreiben in der Dämmerung ist schädlich.

Bei Tage ist der Platz für beide Tätigkeiten möglichst so zu wählen, daß man von ihm aus ein Stück Himmel sehen kann und das Fenster sich zur linken Hand befindet. Die Sonnenstrahlen dürfen nie auf die Hand fallen.

Wird künstliches Licht benutzt, so müssen auf der Arbeitslampe Zylinder und Milchglasglocke sein, dunkle Schirme auf derselben sind nachteilig. Die Lampe soll höchstens einen halben Meter von dem Schreibenden oder Lesenden und zugleich etwas zu seiner Linken stehen.

Nach jeder Viertelstunde Schreiben oder Lesen empfiehlt es sich, etwas auszuruhen, ins Weite (Freie) zu sehen und dabei womöglich einen freien Punkt (Baum, Turm etc.) genau zu betrachten.

Beim Schreiben oder Lesen soll die Entfer- ^[folgende Seite]