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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

XIII. Band. Nr. 42 ^[richtig: Nr. 43]

Erscheint wöchentlich. Abonnement jährlich Fr. 2.50; als Beilage zum "Schweiz. Familien-Wochenblatt" gratis. Inserate die kleine Zeile 25 Cts.

Verlag Th. Schröter, Obere Zäune 12 Zürich.

1904. 23. April. Inhalt: Frühling im Krankenzimmer. - Maibowle. - Kochrezepte. - Briefwechsel der Abonnenten unter sich. - Kleine Rundschau. - Inserate.

Frühling im Krankenzimmer

"Wann wird auch eine Mutter jemals müde?

Die langen Nächte an des Kindes Wiege,

Die milden Hände, wo sie Wunden heilt,

Die wachen Augen an dem Krankenbette,

Die treue Hilf', die fremde Leiden teilt,

Ihr rastlos Walten und ihr still Ertragen,

An Mühe reich, wo immer sie auch weilt,

Ihr Teil ist: Opfern, Lieben und Entsagen."

Es ist Frühling geworden. Der würzige Duft des Waldes, das frische Grün der Wiesen, die gelben und weißen Blüten, die summenden Bienen und die farbenprächtigen Schmetterlinge verkünden es - alles mehrt die Daseinsfreude. In gar manchem Hause aber liegt ein krankes Menschenkind, und die Frühlingsboten kommen nicht an das Schmerzenslager. Einige Blumen, am besten solche mit nicht starkem Geruche: Himmelsschlüssel, Anemonen, Vergißmeinnicht und Aurikeln erfreuen den Kranken stets und wecken in der Seele die frühere Lebensfreude und Lebenshoffnung. Leicht erwahrt sich dann das Wort:

"Der Kranke glaubt sich meist gesunder,

Und wenn er nicht mehr glauben mag,

So glaubt er eher an ein Wunder,

Als an den bittern Sterbetag."

Mit diesem Glauben und der frischen Hoffnung aber ist viel gewonnen. Zeigt dazu die Pflegerin ein freundliches Wesen ohne zu lebhafte Heiterkeit, aufmerksames Mitgefühl und Liebe, so geschehen wirklich oft Wunder, und es gelingt manchmal, ein teures Leben dem Tode abzukämpfen.

Eine Hauptsorge bildet immer die Ernährung des Kranken. Viele glauben, ein solcher solle immer essen und wieder essen. Sie bringen große Portionen an das Bett und ärgern sich über den eigensinnigen Patienten, der die guten Sachen zurückweist.

Eine Hauptsache ist es, vor allem die Krankenspeisen verständig auszuwählen und in einladender Form zu servieren. Kleine, zierliche angerichtete Portionen, die auch das Auge erfreuen, werden selten ganz zurückgewiesen.

In erster Linie kommt die Bereitung von Kraftbrühen, vor allem des Beef-tea in Betracht. Letztere ist das Beste, was man Kranken überhaupt geben kann. Man schneidet 500 gr Rindfleisch (ohne Fleisch und Knochen) in feine kleine Würfel und füllt dieselben ohne andere Zutat in eine Champagnerflasche, verkorkt dieselbe, umwickelt sie rundum mit Heu und stellt sie in ein Kochgefäß mit kaltem Wasser. Dasselbe wird zum Feuer gesetzt und soll das Wasser 5-6 Stunden fortkochen. Man muß deshalb ein zweites Geschirr mit kochendem Wasser bereithalten, um das verdampfende im Fleischkessel ersetzen zu können. Würde man versuchen, dies mit kaltem Wasser zu tun, so wird einmal die Flasche leicht in Gefahr kommen, zu zerspringen und die Flüssigkeit in der Flasche würde eine trübe, blutige Brühe werden. Kocht dieselbe aber ununterbrochen 5-6 Stunden fort, so ergibt sich eine Tasse voll hellgelber, sehr kräftiger Flüssigkeit. Es ist reiner Fleischsaft, der von Kranken mit oder ohne Salz gerne genommen wird, da er nichts Widerstrebendes in Geschmack und Aussehen hat.

Etwas weniger kräftig, aber auch weniger umständlich in der Bereitung ist die Beef-tea-Kraftbrühe. Man hackt hiezu 500 gr gutes Ochsenfleisch fein, übergießt es mit einem Liter kalten Wassers, läßt es eine Stunde ziehen, dann langsam zum Sieden gelangen und kocht es noch eine halbe Stunde. Die Brühe wird gesiebt und ganz leicht gesalzen.

Eine bekannte Kraftbrühe für Kranke und Genesende ist jene, welche der Franzose als bouillon de prime bezeichnet. Hiezu zerschneidet man Rind- oder Ochsenfleisch vom Schwanzstück (Schwanzfeder), ebenso Kalbfleisch und ein Suppenhuhn, läßt die Fleischstücke eine Stunde im kalten Wasser liegen und kocht dann alles zusammen mit Kräutern und Wurzeln, bis das Fleisch sehr weich ist und gibt die Brühe durch ein Sieb. Dieselbe soll hell sein, dünn aussehen und kräftigen Geschmack haben.