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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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Für fleißige Hände.

Kleine Handarbeiten.

IV.

(Nachdruck verboten.)

Zu den vielerlei Dingen, für die man eine weitere Verwendung kaum für möglich hält, gehören ohne Zweifel auch die hölzernen Zwirnrollen. Sind Kinder im Hause, so sind diese wohl die einzigen, welche sich noch gern damit beschäftigen, indem sie die Rollen mit Vergnügen auf der Erde laufen lassen, oder indem sie damit bauen. Aber man kann diese Rollen doch noch zu etwas anderem verwenden, nämlich zu kleinen Etagerentischchen und Wand-Etageren, die sich ganz allerliebst ausnehmen. Hierzu gebraucht man freilich ziemlich viel Rollen, kann sich aber seinen Vorrat bei guten Freundinnen wohl noch ergänzen. Die Rollen werden einfach auf 4 gleichlange Stäbe gereiht, auch wohl angeleimt und bilden somit die Füße resp. Träger für die Querbrettchen, durch die man nach je 6-8 Rollen die 4 Stäbe führt, wozu man an den Ecken der Bretter Löcher vorbohrt. Sind die Stäbe etwa einen Meter lang, so kann man 3-4 Etageren anbringen, die zum Aufstellen von Büchern, Nippsachen u. dergl. vortrefflich eignen. Man verteilt die Bretter möglichst so, daß über dem obersten an den vier Ecken noch eine Zwirnrolle Platz findet; man verbindet diese auf der Rückwand, sowie den beiden, gewöhnlich viel schmäleren Seitenwänden durch Nebeneinanderleimen von gleich großen Rollen zu einer Galerie, die schließlich oben mit etwa 3-4 cm breiten Holzleistchen bedeckt wird, so daß die Rollen wie gedrechselte Säulen erscheinen. Das Ganze wird zuletzt gebeizt und lackiert; die Zwirnrollen kann man auch bronzieren.

Auch zu einem netten Spielzeug für Kinder, zu einer Windmühle, lassen sich Zwirnrollen benutzen. Man bohrt in zwei derselben je 4-6 Löcher, klebt größere Hühnerfedern hinein und steckt die Rollen mittelst zweier langer und großköpfiger Nägel auf einen festen Stab, kurzen Besenstiel oder dergl., und zwar nach zwei Richtungen je eine Mühle. Die Rollen müssen natürlich leicht beweglich sein, damit jeder Windhauch den gewünschten Effekt verursachen kann.

Auch aus alten Strohhüten läßt sich mancherlei Nützliches noch herstellen, das bei geschickter und geschmackvoller Ausführung kaum den ursprünglichen Zweck verrät. Die Strohhüte werden bekanntlich aus langen, schmalen geflochtenen Strohstreifen zusammengenäht. Man trenne diese Streifen wieder los und nähe sie zu geraden Flächen zusammen. Mit Band eingefaßt bilden sie dann sehr praktische Untersetzer für die Küche oder für Blumentöpfe, für Waschgefäße im Schlafzimmer, sogar Fußteppiche fürs Badezimmer oder Abtreter kann man bei genügendem Vorrat aus den Strohgeflechten zusammennähen. Wünscht man noch eine Verzierung anzubringen, so läßt sich auch dies ausführen, indem man mit großen Stichen ein Kreuzstichmuster aufstickt. Oftmals ist das zu den Hüten verwendete Stroh besonders feiner Art, dann vermag man auch Wandtaschen etc. daraus herzustellen, die ganz reizend aussehen. Hierzu wählt man eine viereckige Fläche durch Verbindung der zwei unteren, hochgeschlagenen Ecken in die gewünschte Taschenform, füttert das Ganze mit einem hübschen Stoffe aus, bringt noch eine Schnur an, Schleifen usw. In dieser Art fertigt man auch die bekannten tütenartigen Behälter an, die als Staubtuch- oder Papierkörbchen und dergl. gute Dienste leisten.

Als weitere Anregung zu kleinen kostenlosen Handarbeiten möge die Neuverwertung von Stoffresten zu Tuch-Mosaiken, Mosaik-Teppichen und dergleichen dienen. Die Sache ist zwar allgemein bekannt, jedoch sieht man solche Arbeiten nur verhältnißmäßig sehr wenig, obgleich sie jedermann gefallen. Freilich erfordert die Arbeit des Ausschneidens und Zusammennähens einige Geduld und Sorgfalt, aber um so größer ist der Lohn. Ganz wesentlich für eine schöne Arbeit ist das Muster, welches man aus den vielen kleinen, kunterbunten Läppchen zusammensetzt. Man muß sich da zunächst einmal auf einem Tisch provisorisch durch An- und Uebereinanderlegen der Fleckchen ein gewisses Bild schaffen und sehen, wie weit der Vorrat reicht und wie man am besten eine hübsche Musterung zu Wege bringt. Oftmals werden dergleichen Arbeiten nur so ausgeführt, daß man die einzelnen Fleckchen schindelartig übereinander auf einen derben Grundstoff mit nur einer Schmalseite annäht. Auch hierbei läßt sich durch Abwechselung ^[richtig: Abwechslung] der Farben, Einsticken kleiner Kreuzchen etc. eine ganz hübsche Musterung erzielen.

Sich Schaden tun.

Unter diesen Begriff fällt eine recht erhebliche Gesundheitsschädigung, welche mit einiger Vorsicht vermieden werden könnte. Zumeist trifft sie Dienstmädchen, überhaupt alle weiblichen Personen, deren Beschäftigung es mit sich bringt, zuweilen eine größere Last zu heben oder über sich empor zu langen.

Der "Schaden" besteht in einer Verdehnung der Mutterbänder. Die sofort nach der gewaltsamen Dehnung auftretenden Schmerzen mahnen mit ihrer Heftigkeit zur Schonung und Ruhe. Wird diese gewährt, legt die Betroffene sich nieder, so kann sich der Schaden in kurzer Zeit heben, besonders wenn der Patientin ein Prießnitzumschlag appliziert wird. Leider erfährt aber meistens niemand etwas von dem Vorgange, bis sich krampfartige Erscheinungen vor und während der Menstruation einstellen.