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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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Die Krankheitserscheinungen, die ein Bandwurm erzeugt, bestehen in Darmbeschwerden, Schmerzen, abwechselnd Verstopfung und Durchfälle, in allerhand nervösen Erscheinungen, wie Kopfschmerzen, Flimmern vor den Augen, Doppeltsehen, Schwindel, Hautjucken, Uebelkeit u.s.w., und in einer mehr oder weniger starken Blutarmut. So unangenehm auch alle diese Beschwerden sind, so werden sie doch eigentlich niemals lebensgefährlich. Nur einmal habe ich eine an und für sich schon schwächliche Frau durch die Anwesenheit von drei Bandwürmern sterben sehen. Ein viel gefährlicherer Bandwurm aber entwickelt sich aus Finnen, die in Fischen leben, besonders im Hecht, der Quappe und dem Zander. Dieser, Bottriocephalus genannt, wird bis zu 14 Meter lang und erzeugt neben den übrigen Erscheinungen schwere Blutarmut.

Wenn man nun von einem Bandwurm ein Ei in den Magen bringt, so entwickelt sich nicht wieder ein Bandwurm. Der Bandwurm entsteht aus der Finne, aber aus dem Bandwurmei wird wieder eine Finne. Man nennt diese merkwürdige Verschiedenheit der Erscheinung einen Generationswechsel. Die Finne aber lebt nicht im Darm, sondern sie wandert in den Körper des Menschen ein und setzt sich nun irgenwo ^[richtig: irgendwo] fest. Das kann z. B. in der Muskulatur sein. Dann stirbt die Finne bald ab und erzeugt weiter keine Krankheitserscheinungen. Sie kann aber auch in die Augen oder in das Gehirn einwandern. Die Sehkraft des Auges geht dann gewöhnlich verloren und wird, selbst wenn es gelingt, das Tier durch Operation zu entfernen, im glücklichsten Falle sehr eingeschränkt. Im Gehirn aber entstehen meist schwere Krankheitszustände, die in nicht seltenen Fällen zum Tode führen. Während also ein Bandwurm fast ohne Ausnahme ziemlich ungefährlich ist, kann die kleine Finne lebensgefährlich werden.

Es ergibt sich nun die Frage, wie es möglich ist, daß wir Bandwurmeier in den Magen bringen. Ganz sicher ist diese nicht zu beantworten, denn ein Bandwurmei ist sehr klein, so daß man es nur bei starker Vergrößerung sieht und deshalb kann man den Nahrungsmitteln nicht ohne weiteres ansehen, ob solche Eier an ihnen haften.

Vielfach ist die Meinung geäußert worden, daß ein Mensch mit einem Bandwurm die Eier desselben sich selbst in den Mund brächte. Es ist ja in der Tat denkbar, das durch einen hohen Grad von Unreinlichkeit so etwas zu stande käme. Aber praktisch scheint das doch selten vorzukommen. Ich habe wenigstens noch niemals einen Menschen gesehen, der gleichzeitig Finnen und einen Bandwurm gehabt hätte. Es muß also noch einen andern Weg geben, auf dem die Bandwurmeier in unseren Magen kommen können. Die Eier werden mit dem Kot entleert und gelangen dann in die Abfuhr. Dadurch können sie in den Dünger geraten und so auf Gemüsefelder und in die Mistbeete verschleppt werden. Sie können also an allen Gemüsen haften, die mit menschlichen Ausleerungen gedüngt werden. Besonders in Betracht kommen hier Salat, Sellerie und Brunnenkresse, da andere Gemüse gewöhnlich nicht roh genossen werden. Natürlich könnten auch Bandwurmeier aufgenommen werden, die an Erdbeeren haften oder wenn man Gelbe Rüben und dergleichen in rohem Zustand ißt, wie es zuweilen und besonders von Kindern geschieht. Damit ist nicht ausgeschlossen, daß es auch noch andere Wege gibt, die die Bandwurmeier in unseren Magen nehmen, aber hier ist jedenfalls einer angezeigt, der vielleicht am leichtesten übersehen wird.

(Schluß folgt.)

Die Reklame in der Haushaltung.

Scherzo von Louise Merz.

In der Reklamenpraxis steht Amerika mit seinen Riesenleistungen in Bildwerk, Propaganda und originellen Einfällen allen übrigen Ländern voran. Wir erinnern z. B. an den großen Circus Bailay und Barnum, der mit Kamels- und Büffelherden durch die Straßen der Stadt zieht, darin er Vorstellungen geben will, und so die Begeisterung von Alt und Jung anfacht. Wir kennen die Reklame andrer Länder, die auf den Hausdächern, Tramwagen und Mauern ihre Produkte in Wort und Bild mit den grellsten Farben anmalen. Auch die freie Natur muß der Reklame dienen. Zwischen dem Gotthard und Mailand treffen wir längs der ganzen Bahnlinie Tafeln aufgestellt, die Mailands größtes Hotel anpreisen. Eine Chocoladefirma ließ ihren Namen auf den sämtlichen Asphalttrottoirs der Stadt im Asphalt einpressen und eine andere erwarb sich käuflich das Recht, auf einem Felsen am Rigi ihren Namen zu verewigen. Neben allerlei großartig betriebenen, weltschreierischen Reklamen geht neuerdings in unsern Tagen eine stille, praktisch durchdachte Reklame einher, die Kinder und Erwachsene gleich angenehm berührt und anzieht und sich im Haushalt recht billig und nützlich erweist. Es ist dies die Verabreichung von allerlei Gratisprämien für wiederholte Einkäufe. Entweder liefert sie der Fabrikant der Waren oder der Geschäftsinhaber in der wohlberechneten Absicht, seine Kunden regelmäßig wiederkehren zu sehen. Greifen wir einige Beispiele heraus. Wir betreten ein Kolonialwarengeschäft, aus welchem wir gewohnheitsgemäß unsern Bedarf beziehen. Dort sind Schulers Goldseife, Waschpulver etc. zu haben und mehr noch als das; denn bald fügt die Verkäuferin unserem Paket einen Lampen- ^[folgende Seite]