Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

411

Die Reklame in der Haushaltung.

Scherzo von Louise Merz.

(Schluß.)

Die Augen aufgemacht! Links neben der Türe hängt die hübsche Wandtafel mit dem steifen Penseemuster, das stimmungsvoll wirkt und einladet, zutraulich näher zu kommen. Dort habe ich die Tagesblätter einlogiert. Auf meinem Arbeitstisch steht die Lampe mit dem farbig durchscheinenden Schulerschirm. Allerlei Sprüchlein zu Ehren der Goldseife zieren ihn z. B.

Will ein Jüngling flott und stramm

Werben einst als Bräutigam,

Muß er stets in blanken Leinen

Mit Goldseif' gebleicht erscheinen,

u. a. mehr. Gemütlich läßt es sich arbeiten bei diesem poetischen Seifenschirm. und damit der Tischteppich geschont werde, stelle ich die Lampe auf den geschenkten Lampenteller, auf dem eine deutsche Landschaft abgebildet ist. Auch die Schreibmappe leistet gute Dienste und ist dick gefüllt mit veilchenduftendem Papier aus der reklamespendenden Papier-Handlung. Was Wunder, wenn sich feine Gedanken in die Briefe einstreuen. Gehn wir weiter an den Eßtisch. Er ist schon gedeckt, in der Mitte prangt Schulers Schüsseluntersatz, den Freunden der Goldseife gewidmet. Nun, was zieht ihr vor? Ein Süppchen mit gratis Amour-Fleischextrakt zubereitet? Ein Täßchen Tee oder Kaffee? In den blanken Büchsen stecken Tee und Kaffee. Damit ich wieder dort einkaufe, schenkte mir der Ladenherr die beiden Blechdosen, die mir unentbehrlich geworden sind. Nach dem Essen ist leichte Beschäftigung angenehm. Etwa eine Ansichtskarte schreiben? Amour lieferte mir solche zu Dutzenden, wählen Sie nur aus. Oder ist etwas Lektüre gefällig? Es macht ja gar nichts, wenn Sie die aufgeschlagene Stelle zuklappen. Ich habe das reizende Reklame-Buchzeichen von Maggi hineingelegt und werde mit seiner Hilfe die Seite schon wieder finden. Stoßen Sie sich bitte nicht an dem grauen Umschlag, der just das schöne Buch praktisch und schützend einfaßt. Ich habe diesen Einfaßbogen von der Galaktinafabrik erhalten, eigentlich taugt er am besten für das Schullesebuch. Die Sprüchlein sind so orginell und einleuchtend wie, z. B. Das Kind wird brav und kreuzfidel Von Galaktina-Kindermehl, daß ich ordentlich Lust bekomme, mir selbst recht bald einen feinen Galaktinamilchbrei zu kochen. Wünschen Sie noch etwas? Ich besitze auch einen hübschen Fahrtenplan, den die Verwaltung der neuen Gürteltalbahn diesen Sommer herausgab und gratis in die reiselustige Welt hinaus schickte. Die Tourenkombinationen sind sehr einladend und haben mir schon viele gute Dienste geleistet. Wollen Sie sich einige davon aufschreiben? Ich hole mein kleines Schreibcarnet von der Modistin herbei, darin können Sie sich alles notieren. Sträulis Kerzen brennen rasch an und leuchten hell; zum Schutz gegen die fallenden Tropfen habe ich die Reklamebobesche auf den Kerzenhalter gesteckt. Ich hole das Carnet schnell im Nebenzimmer. Und sehen Sie, hier bringe ich gleich den illustrierten Führer über "Bern-Neuenburg, direkte Linie" mit, der mir letztes Jahr von der Bahnverwaltung ebenfalls gratis zugestellt wurde, damit ich die neue Linie fleißig benutze. Das Büchlein ist reizend ausgestaltet mit feinen Bildern und erweckt im Leser unbezähmbare Reiselust.

Nun kennen Sie mein bescheidenes Heim. Ist es nicht zur Hälfte eingerichtet und geschmückt mit Reklameartikeln, die noch den Vorzug haben, daß sie mir alle gratis ins Haus geflogen sind? Wohl ist jedem Stück der Firma- oder Fabrikname in deutlich lesbaren Buchstaben aufgedruckt, das ist ja die Hauptsache am Geschenk! Aber was schadet das. Für meine Privatbedürfnisse genügen diese Gegenstände, und sind sie nicht ewig haltbar, so haben sie eben auch nichts gekostet, und treiben mich wieder in die gleichen Kaufläden ... und das war die Absicht des Reklamegeschenkes.

Mit mir genießen tausend andre Käufer die gleichen Bedingungsgaben und somit ist die Geschenkreklame wohl die wirksamste Reklame der Neuzeit und übertrifft zuletzt selbst Amerikas Riesenleistungen. L. Merz.

Eisbereitung im Sommer.

Zugleich als Antwort auf Frage A. K. in D. Zur Eisbereitung kaufen Sie am besten die amerikanische Glacemaschine à 10-12 Fr. Es gibt viele billigere Maschinen, keine erreicht aber in ihrer Leistungsfähigkeit und in der Qualität des Glace die eben genannte. Es ist dies ein Holzkübel mit einem Zylinder in der Mitte, dieser wird mit der zugefrierenden Crème gefüllt. In den leeren Raum zwischen Zylinder und Holzwand kommt das Eis, in kleine Stücke geschlagen und mit einem Drittel Salz vermischt. Das Salz erhöht den Kältegrad des Eises. Nachdem die Crème eingefüllt ist, wird sie mit der dazu bestimmten Vorrichtung gedreht und in 20 Minuten haben Sie die Glace. Eine Maschine, die das beständige Drehen nicht ermöglicht, sollte nicht gekauft werden, da eine solche Glace nie so gut ist. Die Maschine erhalten Sie in größeren Haushaltungsgeschäften (in Zürich z. B. bei Hartwig, Freyastraße) und dazu erhalten Sie auch eine gründliche Anleitung. Wir bereiten auf diese Art im Sommer fast täglich Glace. Für 20-30 Cts. bekommt man in Brauereien etc. genug Eis.