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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

XIV. Band. Nr. 10

Erscheint wöchentlich. Abonnement jährlich Fr. 2.50, bei der Post bestellt 10 Cts. mehr; als Beilage zum "Schweiz. Familien-Wochenblatt" gratis. Inserate die kleine Zeile 25 Cts.

Verlag Th. Schröter, Obere Zäune 12, Zürich.

1904. 3. Sept. Inhalt: Nur ein Viertelstündchen. - Erziehung und Gewöhnung des Kindes zur Reinlichkeit. - Handarbeit. - Eingesandt. - Hausmittel und Rezepte. - Haus- und Zimmergarten. - Für die Küche. - Kochrezepte. - Briefwechsel der Abonnenten unter sich. - Litteratur. - Inserate.

Nur ein Viertelstündchen.

Von M. H.

Vor mehreren Jahren erschienen als Neuheiten unter den Handarbeiten jene kleinen Sophakissen, mit Flaum- oder Federn gefüllt und mit einem gestickten Ueberzug, der die Inschrift trug: "Nur ein Viertelstündchen." Damit wollten sie sich einschmeicheln und empfehlen für weiche Kopfkissen, die gar angenehm zu bebenützen ^[richtig: benützen] wären beim Mittagsschläfchen.

Ueber die verschiedenen Für und Wider, den Mittagsschlaf betreffend, und über alle diesbezüglichen Ratschläge und Meinungen möchte ich nicht plaudern, aber die wenigen Worte, die ich immer wieder vor Augen habe, sagen mir soviel, daß ich doch auch Andern etwas davon verraten möchte. Nur ein Viertelstündchen! das klingt so harmlos und und enthält doch eine ganze Predigt, Notabene, wenn man zwischen den Buchstaben zu lesen weiß, und die Hauptsache, die richtige Nutzanwendung nicht versäumt.

Nur ein Viertelstündchen! wir denken und sagen es oft schon früh morgens beim Erwachen. Eigentlich könnten und sollten wir nun aufstehen, denn wir haben ungestört schlafen dürfen und wissen, daß unser Tagewerk auch wieder auf uns wartet. Aber wir markten mit dem guten Vorsatz, nun aufzustehen: "Ach, so gar eilig ist's doch noch nicht! Wir dürfen ganz gut noch eine kleine Weile im Bett bleiben. Es ist doch so gut und warm in demselben, und ein Bischen ^[richtig: bisschen] müde und schläfrig sind wir auch noch und der Tag ist ohnehin lang genug. Nur noch ein Bischen ^[richtig: bisschen] ruhen, nur noch ein Viertelstündchen." - Aber allmälig fallen die Augen nochmals zu, und wenn sie sich wieder öffnen und nach der Uhr sehen, so erblicken sie mit Schrecken, daß das "Viertelstündchen" viel länger gedauert hat als nur 15 Minuten. Jetzt heißt es sich tummeln, um die verschlafene Zeit einzubringen; man eilt und hastet, ist in etwas ärgerlicher Stimmung, und bringt diese mit zum Morgengruß für die Umgebung. Und immer wieder wird man daran erinnert, daß man in allem ein klein wenig zu spät ist, etwas versäumt hat und während des ganzen Vormittags es spürt, daß dieses fatale "nur ein Viertelstündchen" immer noch nicht ganz eingeholt ist.

Die junge Frau M. hat noch kein Dienstmädchen; es steht ihr ja noch genug Zeit zur Verfügung, um die kleine Haushaltung recht zu besorgen, da sie noch kein Kind besitzt und ihr Mann Vor- und Nachmittag auf der Bank seine Beschäftigung hat. Wenn er mittags heimkommt zum Essen, dann setzt sie ihren Stolz darein, alles bereit zu halten und zwar so, wie er es liebt; denn so geduldig und gutmütig er sonst sein kann, wenn es zum Tisch geht, ist er gar nicht so anspruchslos, eher etwas verwöhnt, und wenn je beim Kochen oder Braten etwas mißraten oder versäumt worden, so kann er recht ungnädig seine Frau anblicken und sogar eine Bemerkung machen, die ihr das ganze Mittagessen verbittert. - Heute geht sie auch bei Zeiten aus mit ihrem Korbe, um das Nötige einzukaufen. Sie entdeckt mit großer Freude bei der Gemüsehändlerin zarte Bohnen, die ersten dieses Jahres, zu einem anständigen Preise. Wie werden diese ihrem Mann schmecken, denn er liebt dieses Gemüse sehr. Und nun noch eine kleine geräucherte Zunge dazu - das gibt ja ein Festessen! Wie sie nun den Metzger aufsuchen will, trifft sie mit ihrer Freundin, Frau A., zusammen; sie begrüßen sich Beide gar erfreut und Frau A. erzählt, wie sie gestern ihren Geburtstag in fröhlicher Weise gefeiert und mit so vielen Geschenken überrascht worden. "Und eine feine Blouse schenkte mir mein Mann, ich sage Ihnen, ganz modern (seine Schwester hat sie ihm gekauft; er versteht eigentlich nichts davon!) Neumodischer Schnitt und Ausputz - am liebsten möchte ich Ihnen alles zeigen. Kommen sie schnell mit mir; ich wohne ja ganz in der Nähe."

Frau M. sähe freilich die Blouse gar zu gerne; sie braucht ja auch eine neue für den Sommer, und möchte doch wissen, was dato