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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

XIV. Band. Nr. 12

Erscheint wöchentlich. Abonnement jährlich Fr. 2.50; bei der Post bestellt 10 Cts. mehr; als Beilage zum "Schweiz. Familien-Wochenblatt" gratis. Inserate die kleine Zeile 25 Cts.

Verlag Th. Schröter, Obere Zäune 12, Zürich.

1904. 17. Sept. Inhalt: Umziehen. (Fortsetzung.) - Das Waschen der Kinder. - Spielschachtel. - Die Pflege zahnender Kinder. - Sardinen. - Hausmittel und Rezepte. - Ungeziefer. - Vermischtes. - Gesundheitspflege. - Für die Küche. - Kochrezepte. - Briefwechsel der Abonnenten unter sich. - Kleine Rundschau. - Inserate.

Umziehen.

Erlebnisse und Ratschläge einer Hausfrau.

Von Marie Rasch.

(Fortsetzung.)

Ist am Umzugsmittag endlich "alles drinn", sind die Packer abgelohnt und gegangen, meint man anfangen zu können mit Ordnen, da ergibt sich, daß die Kisten und Kasten so aufgetürmt im Wege stehen, daß nirgends die Passage frei ist; die am nötigsten gebraucht werden, stehen zu allerunterst, man hat vergessen, sie durch zweckmäßig aufgeklebte Zettel nach dem Inhalt zu bezeichnen. Da erscheint der Tapezierer, man muß sich noch freuen, wenn er überhaupt kommt, denn hier ist ja ein vis-à-vis, man muß unbedingt wenigstens die Rouleaux vor Abend beschaffen. Wo sind die aber? Abermaliges Suchen, bis sie im Keller entdeckt werden. Die Vorhangsstangen passen nicht, der Schlosser, bezw. Tischler muß zur Hilfe geholt werden, man hat nicht ausgemessen vorher. Jetzt klagen die Kinder, die sich bisher in dem Durcheinander gut amüsiert haben, über Hunger, auch das ist nicht vorgesehen. Der Vater muß mit der ganzen Gesellschaft ins nächste Restaurant ziehen, um zu futtern, die Mutter, die am Umfallen ist, muß dableiben, um die Handwerker zu beaufsichtigen. Beim Durchwandern der Zimmer wird ihr klar, daß die Einrichtung ganz unzweckmäßig gemacht worden, ihr Mann schlecht disponiert hat, und sie sieht im ahnungsvollen Geiste, daß morgen wieder umgerummelt werden muß. Arme Hausfrau! Ja, auch beim Umziehen muß man Lehrgeld zahlen, aber man kann Praxis darin erlangen, und wem die Gabe schneller Uebersicht fehlt, der halte sich an genaues Ausmessen und bestimme vorher jedem Möbel seinen Platz. Es kann in einer neuen Wohnung überraschend schnell gemütlich werden, wenn man es nur richtig anfängt. Z. B.: Ist die Wohnung schon ein oder zwei Tage frei, bevor man sie bezieht, dann nur die Vorhänge an die Fenster. Bei der Einrichtung mit den jetzt gebräuchlichen, verstellbaren Leisten ist das nicht schwer, im Notfalle ohne Tapezierer zu bewerkstelligen. (Vater Voß tapezierte mit seinem Sohne sogar seine neue Wohnung eigenhändig, und Goethe, der zu Besuch kam, zollte ihnen Beifall). Das letzte, was aus dem alten Heim weggebracht wird, sei der Familie Eßtisch und die entsprechende Anzahl Stühle. Wird dann der Möbelwagen am Ziele geöffnet, kommt sofort dieser Tisch mit den Stühlen zur Aufstellung, ein sauberes Tischtuch sei nebst dem nötigsten Geschirr auch bereit gehalten, und nun kommen aus einem Korbe frische Brötchen, Butter, Wurst und Bier, sowie ein Spirituskocher, mit dessen Hilfe im Nu Tee oder Kakao bereitet werden kann. Fehlen in solchem Zimmer auch noch die übrigen Möbelstücke, es wird doch in wenigen Minuten einen wohnlichen Anblick gewähren. Man kann sitzen, sich stärken mit Speise und Trank, die Sonne und die Nachbarn gucken einem nicht indiskret durch die kahlen Fenster. "Gottlob!" wird der Hausherr sagen, "hier sieht's ja bereits ganz menschlich aus."

Ebenso ist's in den Schlafzimmern. Die Betten werden von den Aufladern aufgestellt, die Bettstücke müssen zuvor aber frisch bezogen sein, dann "schafft's" auch damit gar schnell, und man kann an das Auspacken der Kisten gehen. Noch viel zu wenig verwendet man solche mit festen Scharnieren und Vorlegschlössern, die so unendlich viel MÜhe ersparen, an mehreren Orten werden sie von Transportgeschäften verliehen. Auch der Blumen und Pflanzen gedenke man nicht zu spät. Wie häufig leiden sie Schaden, wenn sie tagelang beiseite gestellt bleiben, und wie sehr tragen sie doch dazu bei, das neue Heim traulich zu machen! Endlich bescheide man sich, die Spuren der vielen Füße, die hin- und hergetrappt sind, nur leicht mit dem Besen zu entfernen und lasse die Wassereimer weg, bis auch das letzte Strohhälmchen hinausgefegt ist. Das immerwährende Reinemachen beim Einräumen ist vergebliche Mühe, stört Alt und Jung und fruchtet nichts. Ich kannte ein Pär- ^[folgende Seite]