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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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laufentzündungen, die noch nicht in Eiterung übergegangen, und bei Zahnschmerzen, die von hohlen Zähnen herrühren. Besonders verdient es bei Brandwunden Beachtung, wo es fast augenblicklich den Schmerz stillt, sowie bei Frostbeulen, wo es im Anfange brennt, aber schnell heilt. Das Kollodium muß in einem festverschlossenen Glase aufbewahrt werden und es ist angemessen, das Glas nach dem Gebrauch sofort wieder zu verschließen. Nach 10 Minuten löst sich der angestrichene Ueberzug des Kollodiums ab und muß wieder erneuert werden. Um dies zu vermeiden, setzt man dem Kollodium auf etwa 5-6 gr einen Tropfen Glyzerin zu, hierdurch springt das sich bildende Häutchen nicht ab.

Ungeziefer.

Wespen und Trauben. Sobald die Trauben zu reifen beginnen und süßer werden, stellen sich auch wieder die lästigen Wespen ein, um zu ernten, wo sie nicht gesät haben. Sie fressen uns nicht nur einen großen Teil der Trauben weg, sondern beschädigen die übrigen auch derart, daß sie viel von ihrem Werte verlieren. Das Verfahren dagegen ist ein zweifaches. Die Trauben werden geschützt durch Traubensäckchen aus Gaze, die ja allgemein bekannt sind; dann haben die Wespen das Nachsehen. Aber man darf sie trotzdem nicht zu zahlreich werden lassen, da sie auch an anderes Obst gehen, die schönsten Früchte aushöhlen und sonst noch Uebles stiften. Die Fanggläser sind ja nicht übel, aber radikal kann man den Wespen nur dann beikommen, wenn man ihre Nester aufsucht und diese, wenn die Tiere abends alle hineingeschlüpft sind, voll kochendheißes Wasser gießt und so vertilgt. Dieses Mittel hat sich am besten bewährt und schützt auch vor der Gefahr, gestochen zu werden. Hornissen bekämpft man auf dieselbe Weise.

Vermischtes.

Die Verdaulichkeit des Brotes richtet sich nach seiner größeren und geringeren Porosität, welche durch die zu demselben verwandten Stoffe und durch die Behandlung des Teiges bedingt wird. Je weniger Kleber, desto kompakter wird das Brot. Das kleberreichste Mehl von Körnerfrüchten ist das Weizenmehl. Das Stärkemehl geht beim Backen in Stärkekleister und dieser zum Teil in Dextrin und Stärkezucker über. Ein geringerer Anteil von Kleie im Brote übt einen mechanischen Reiz auf die Magenwände aus und bewirkt besser als alkoholische Getränke eine regelmäßige u. energische Verdauungstätigkeit. Das Brot soll nicht ungesalzen genossen werden, weil der starke Gehalt desselben an Kalisalzen dem Organismus viel Kochsalz entzieht, das ersetzt werden muß. Der Wassergehalt des Brotes ist von Einfluß auf seine Verdaulichkeit. Trockenes, altbackenes Brot nimmt Verdauungssäfte auf, die es schneller in Nährstoffe verwandeln. Fett ist nur in geringer Menge, 1, 2 bis 4 und 8 Proz. im Brote enthalten, dagegen sind die Salze, welche der Körper bedarf, in ausreichender Menge im Brote enthalten. Fleisch oder Käse, Brot und Wasser bieten alles, was der Körper bedarf.

Gesundheitspflege.

Gesundheitsregeln.

Der Verein für Gesundheitspflege in Halle a. S. hat folgende Gesundheitsregeln aufgestellt, welche wohl zu beachten sind:

Man esse nie ohne Hunger und lasse zwischen den einzelnen Mahlzeiten eine Pause von drei Stunden.

Leute, die nicht eine anstrengende körperliche Ausarbeitung haben, mögen sich mit drei Mahlzeiten pro Tag begnügen. Kindern und im Wachstum begriffenen Personen, bei denen der Stoffwechsel lebhafter vor sich geht, müssen vier bis fünf Mahlzeiten pro Tag verabreicht werden.

Gut gekaut ist halb verdaut. Durch gutes Kauen wird der zur Verdauung so notwendige Speichel des Mundes reichlicher abgesondert und den Speisen beigemischt.

Man esse oder trinke weder mehr als blutwarm, noch eiskalt. Ferner genieße man nicht immer einerlei, sondern beobachte Abwechslung in der Art der Speisen und wähle mehr feste als dünnflüssige (suppenartige) Nahrung.

Zu vermeiden sind schwer verdauliche Speisen, wie frisch gebackenes Brot, warmer Kuchen, altes Pökelfleisch und dergl. mehr.

Man meide starke Gewürze (Pfeffer, Paprika, Senf u.s.w.), allzuscharfe gesalzene Sachen und erhitzende Getränke, weil diese eine normale Verdauung stören. Kurz nach Tisch, also während der Verdauung, unterlasse man starke Bewegung und geistige Anstrengung; auch Gemütsaufregungen (Aerger, Gram u.s.w.) wirken nachteilig auf die Verdauung. Man trinke nie kurz vor und nach dem Essen, bei vorhandenem Durste während des Essens genieße man gekochtes oder frisches Obst.

Man gönne seinem Körper auch die nötige Ruhe, wenn derselbe ermüdet, um die verbrauchten Stoffe wieder ersetzen zu können.

Die vollständige Ruhe ist der Schlaf. Nur