Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

58

Zeit zu sparen, heißt Zeit gewinnen, gerade wie Geld sparen Geld verdienen heißt; denn der ersparte Franken bringt uns eben so viel, ja oft mehr Nutzen als der neu gewonnene oder erworbene. Das steht man z. B. daran: je leichter der Gewinn oder Erwerb, desto leichter und schneller wird verausgabt, je mühseliger das tägliche Brot errungen wird, desto überlegter ist die Bewertung und muß es auch sein.

Sparsamkeit und Geiz sind jedoch himmelweite Unterschiede. Die Sparsamkeit verbraucht nicht mehr Mittel, als zu Gebote stehen; sie beschränkt sich auf das Nötige und Nützliche und verschafft sich das Angenehme nur, so weit sie es vermag. Der Geiz scharrt dagegen ohne Not und Zweck alles zusammen und verbittert sich und anderen das Leben; Geiz ist noch verwerflicher als Verschwendung, denn Geiz beruht auf Niedrigkeit und Engherzigkeit der Gesinnung, während Verschwendung oft aus irregeleiteter Großherzigkeit und Mangel an Berechnung entsteht.

Zum guten Haushalten gehört auch Vorsicht und Erfahrung. Die Vorsicht sieht voraus, was sich im allgemeinen und besonderen ereignen könnte und steht gerüstet für alle Fälle da, und die Erfahrung macht weise; sie lernt aus jedem fremden Verhältnis, wie aus dem eigenen, sie blickt frei umher und beobachtet, was sich bewährt, um es im eigenen Hause, je nach den Verhältnissen anzuwenden. Ein altes Sprichwort heißt: "Wer nicht die Augen öffnet, wird den Beutel auftun und Lehrgeld zahlen." Darin liegt eine große Wahrheit, besonders für die Frau; denn der Blick der einzelnen ist oft zu kurzsichtig, nur auf das eigene Haus gerichtet, statt auf die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse zu achten. Zu den Erfahrungen, welche die Vorsicht lehrt, um mit dem Seinigen auszukommen, gehört auch die: Führe selbst den Schlüssel zu deinen Vorräten, damit du sie berechnen, übersehen und einteilen kannst. Besser von vorneherein die Hausleute an eine Ordnung gewöhnen, die gern angenommen wird, weil sie Gesetz ist, als Gelegenheit zur Willkür geben, die Verdacht und Mißtrauen säen.

Etwas über vegetarische Küche.

(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Mit Olivenöl läßt sich ebenfalls eine vorzüglich schmeckende Suppe von dürren, weißen Bohnen bereiten. Diese werden abends vorher verlesen und eingeweicht, worauf man sie am folgenden Morgen mit Wasser halb gar kocht. Wenn sie soweit sind, röstet man in einer Pfanne reichlich feine Zwiebeln in Oel, gibt eine geriebene Karotte, etwas Selleriewurzel und eine gute Handvoll gewiegte Petersilie dazu. Nachdem man dies alles zu den Bohnen gegeben hat, fügt man noch ziemlich viel frische, passierte Tomaten, oder Tomatenkonserven, eine Schote roten Pfeffer oder Paprika dazu, nebst dem nötigen Salz und läßt die Suppe vollends kochen, bis die Bohnen ganz weich und etwas zerkocht sind. Diese Suppe steht an Kraft und Nahrhaftigkeit einer Fleischsuppe kaum nach.

Die großen, grünen Peperoni, die jetzt ebenfalls auch auf den abendländischen Märkten zu haben sind, schmecken mit Oel und ähnlich wie die Tomaten mit Reis gefüllt, ausgezeichnet. Nur müssen sie, da sie nicht so viel Saft als die Ersteren haben, statt im Ofen gebraten, in einer Kasserole gedünstet werden.

Ein vortreffliches, pikantes Gericht wird aus den sogenannten Melonzani ^[richtig: Melanzani] (Eierpflanze) bereitet. Man brät die violetten, kolbenartigen Dinger auf einem Rost, bis sie völlig weich sind. Dann nimmt man mit einem Holzlöffel das körnige Fleisch aus dem Innern und verrührt es gut in einer Schüssel, indem man Salz, Pfeffer und ziemlich Oel und ganz wenig Essig dazu gibt. Der Brei wird auf einem Teller serviert und mit kleinen grünen Peperoni gegeben, die man vorher auf der Glut gebraten, dann geschält, gesalzen und mit etwas Oel begossen hat. Dieses Salatgericht schmeckt sehr gut und pikant. Die Eierpflanze wird auch auf verschiedene Art gefüllt. Man schneidet sie roh der Länge nach durch, hackt das herausgenommene Innere, vermengt es mit fein gewiegten grünen Zwiebelchen mit Brotkrumen, Petersilie, salzt und pfeffert, röstet diese Fülle leicht in Oel, gibt dann Tomatenjus und geriebenen Käse dazu und füllt die halbierten Melonzani ^[richtig: Melanzani]. Diese werden nun in verdünnter Tomatenbrühe und Oel weich gedünstet, bis die Sauce kurz und dicklich ist. Man kann auch Eier zerklopfen, die gefüllte Seite der Melonzani ^[richtig: Melanzani] damit dick bestreichen und sie in der Bratpfanne gelb backen. Wenn man will, kann man zu einigen dieser Gerichte Butter statt Olivenöl nehmen, aber sie verlieren dann bedeutend an Kräftigkeit und Wohlgeschmack. Die kleinen grünen Speisekürbisse (Courges), sowie die Melonzani ^[richtig: Melanzani] werden auch in dünne Scheiben geschnitten, gesalzen, in Mehl umgedreht und wie Fische in feinem Oel gelb und knusperig gebacken. Man ißt sie zum Salat und vorzugsweise mit Yaourd (saure dicke Milch), die das ganze Jahr, besonders aber während des Sommers ungeheuren Absatz findet und ebenso gesund als angenehm und erfrischend ist. Es ließen sich noch viele vegetarische Gerichte anführen, aber die Vorstehenden geben bereits eine Idee von den in großer Mannigfaltigkeit den Tisch bereichernden Gemüsen.

Für die Küche.

Die Zubereitung und Konservierung der Pilze. Beim Sammeln der Pilze schneidet man den