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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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unten. Backwerk mit Hefe, Milch, viel Butter, auch Blätterteig, brauchen die größte Hitze. Gewöhnliche Torten mit Mandeln, Früchten etc. verlangen mittlere Hitze, und Bisquit, sowie Kleinbackwerk, Makronen etc. dürfen nur bei schwacher Hitze, die aber gleichmäßig unterhalten wird, in den Ofen gebracht werden. Oft steht auch bei den Rezepten die Schlußbemerkung: "Große oder mittlere Hitze."

Wie kann man aber erkennen, ob der Ofen die rechte Hitze hat? - Dies erprobt man am sichersten, wenn man vorher ein Blatt Papier in den Ofen legt. Wird dasselbe schnell gelb und braun, so eignet sich der Ofen zum Backen von Blätter- und Hefenteig. Am geeignetsten ist aber für das meiste Backwerk der zweite Hitzegrad, wenn das hineingelegte Papier nur langsam gelb wird; einer noch schwächern Hitze, wo das Papier kaum lichtgelb wird, bedarf das Kleinbackwerk wie Makronen, Aniskonfekt, Schaumkonfekt etc. Letzteres muß überhaupt eigentlich nur getrocknet, nicht gebacken werden.

Ist das Backwerk im Ofen, so soll man es ruhig dort stehen lassen, nur selten die Ofentüre öffnen zum Nachsehen oder Verschieben des Bleches, wenn die Hitze etwa nur von einer Seite her kommt. Auch darf nichts anderes daneben im Ofen stehen, z. B. kein Topf mit heißem Wasser, da der feuchte Dampf derselben das Braunwerden des Gebäckes verhindert. Bemerkt man, daß die Oberhitze im Ofen zu groß ist und die Torte oben wohl verbrennen würde, so deckt man sie bald mit einem reinen Papier; bäckt der Ofen zu stark von unten, so stellt man das Blech auf einen niedern Dreifuß, Rost oder einen Ziegelstein. Um zu erkennen, ob die Torte genug gebacken, sticht man mit einer Stricknadel in dieselbe; bleibt sie trocken und hängt sich gar kein Teig daran, so ist das Backwert fertig. Nachdem man die Torte aus dem Ofen genommen, läßt man sie einige Minuten stehen, doch nicht im Durchzug, löst - wenn nötig - behutsam mit einem runden Messer den Rand, und stürzt sie dann. Die Ringformen sind besonders zu empfehlen für Torten, da man bei diesen die Seitenwand entfernen und die Torte selbst vom Blechboden behutsam abheben und auf die Platte legen kann. Es gibt doch viele Torten, z. B. gefüllte, oben verzierte etc., welche man durchaus nicht stürzen kann.

So, meine liebe Freundin, da haben Sie nun einige Ratschläge betr. das Backen von Torten u.s.w. Ich bin versichert, daß Sie bei Befolgung derselben das beste Resultat erzielen werden. Und sollte im Anfang nicht gleich alles aufs Vollkommenste gelingen, nur nicht den Mut verlieren! Uebung macht den Meister! Dies alte Sprüchlein gilt auch für die Küche!

Nur ein Viertelstündchen.

Von M. H.

(Schluß.)

Noch ein Beispiel! Die Mutter geht abends aus, einige Besuche und Einkäufe zu machen; sie trägt dem erwachsenen Töchterlein auf, gut hauszuhalten, bis sie wieder heimkommt.

"Gelt, du flickst die Strümpfe von Bruder Paul; weißt, morgen muß er wieder abreisen, die Ferien sind zu Ende. Und sieh auch öfters nach, was die zwei Kleinen machen; sie spielen mit den Puppen im Gärtchen; vergiß nicht, punkt 7 Uhr der Magd zu rufen, sie hat noch Arbeit in der Waschküche; sie wird dann das Nachtessen zubereiten und du deckst den Tisch und bringst alles in Ordnung; ich werde erst um ⅛8 Uhr nach Hause kommen?

Fanny versprach alles zu besorgen und faßt die besten Vorsätze. Wie sie aber die Arbeit zur Hand nehmen will, sieht sie auf dem Arbeitstisch den neuen Roman, den Tante Julie letzthin zum Lesen geschickt. Mutter sagte damals: "Ich will ihn zuerst lesen, nachher kannst du ihn haben, Fanny, wenn er wirklich für dich paßt." Aber das "Nachher" kannte sie schon; da muß sie lange darauf warten, und das Buch sieht gar so verlockend aus. "Nur ein Viertelstündchen! Nachher bin ich fleißiger!" Und sie liest, liest - alles Andere hat sie vergessen, die Zeit, die Arbeit, die Schwesterchen, - der Roman ist gar so spannend und interessant. Und gerade an der Stelle, wo sich alles entscheiden soll, hört Fanny Kindergeschrei und muß doch nachsehen und entdeckt mit Schrecken, daß die kleine Martha wohl beim Brunnen gewesen und Kleidchen und Schürzlein tropfnaß sind, und daß Marie von der Gartenbank gefallen und ein wenig blutet an der Stirn. Schnell soll der Schaden gut gemacht werden. Martha wird trocken angezogen und Mariechens Stirne verbunden, freilich alles in ungeduldiger Weise und mit viel Schelten und Tadeln. Aber nachher - ja, da muß sie noch weiter lesen; sie muß wissen, ob aus den zwei Hauptpersonen endlich doch noch ein Paar wird. Weiter will sie dann nicht mehr lesen, sicher nicht, will dann sehr eilig und fleißig das Versäumte nachholen, aber vorher noch - gewiß nur noch ein Viertelstündchen! - Dann kommt Bruder Paul und mahnt: Deckst du den Tisch noch nicht und wo ist eigentlich unsere Köchin? - und da erkennt Fanny mit Schrecken, daß sie manches "Viertelstündchen" gelesen und wenn Mutter nun heimkommt, ist nichts fertig gebracht, der Tisch nicht in Ordnung, die Strümpfe sind nicht geflickt, und die kleinen Mädchen sehen recht verwahrlost aus, und Fanny muß beschämt beichten, daß sie gelesen, viel zu lange, nicht nur ein Viertelstündchen, wie sie sich vorgenommen.

Dies sind nur einige Beispiele; wir könnten freilich deren noch eine ganze Menge bringen. Es ist dies aber sehr überflüßig, denn wenn