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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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ven damit, daß sie sich eine freiwillige, mehr oder weniger harte Zimmerhaft auferlegen. Es bedarf kaum einer Erörterung, daß für sie unwirtliches Sturmwetter nicht geeignet ist. Aber es gibt im Herbst eine große Anzahl von Tagen, an denen Spaziergänge sehr wohl möglich sind. Nur muß man dabei einige Vorsichtsmaßregeln beachten. Es ist ein oft gegebener Ratschlag, bei rauher Witterung immer ausschließlich durch die Nase zu atmen. Allein nicht wenigen Menschen fällt die Nasenatmung außerordentlich schwer, sobald sie sich stärker bewegen. Deshalb mutz als notwendige Ergänzung zu diesem Ratschlag die Regel befolgt werden: nie schneller zu gehen, als es sich mit der Nasenatmung verträgt. Für alle Katarrhaliker und Leidensverwandte liefert das alte, leider auch sonst zu wenig beherzigte Sprichwort die Richtschnur: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
Selbst bewegtere Luft und ein Sprühregen sind kein Grund, sich dem Hauszwang streng zu unterziehen.
Die Fürsorge für das Wohlbefinden des Körpers ist vollauf berechtigt. Aber man soll auch nicht in die Angstmeierei verfallen und den kleinsten Schritt mit taufend "wenn und aber" verbrämen. Sonst gestaltet man sich zur Treibhauspflanze und zum Lebenskrüppel.
Aleine Plauderei über gesellschaftliche Mahlzeiten.
Der Sommer mit seinen Naturgenüssen ist zu Ende und die kommende Jahreszeit sammelt die Menschen wieder in ihrem eigenen Heim. Doch der Mensch ist nicht gern lange ohne Abwechslung, und so werden auch bald wieder größere und kleinere gesellige Anlässe an der Tagesordnung sein. Ich möchte nun gern einiges über gesellschaftliche Mahlzeiten plaudern, d. h. über den technifchen Teil, die Küchenarbeit. Für sinnige Ausschmückung der Räume und der Tafel und lebhafte Unterhaltung der Gäste sorgen unsere Haustöchterchen schon. Bekanntlich haben die meisten für sowas mehr Geschick als für das prosaische Kochen. Nur eines erlaube ich mir anzuführen. Mit einer launigen Benennung der Speisen auf dem Menü kann man allein schon viel Stimmung in die Tischgesellschaft bringen. Man bringt die Speisen mit den Namen der Gäste in Verbindung. Ißt Kaiser Franz Josef in einem Hotel irgendwo, so bekommt er z. B. tilst äs dwiik a 111 t/rolißniiO, Alaos XaiZsr ^ranx ^08sk, 6at6an H^koni^ 2c. Bei einem Bundes-feierefsen bekommt man ^ouFomius tt6Md1io2.1n, üiots Ä6 sois ^ 1a kranolis 8ni88o 2c. Auf diese Art läßt sich auch im Kleinen manch' Amüsantes miteinander verbinden.
Doch nun zurück zu meiner Prosa.
Vor allem trachte man, den Geschmack der Gäste mit der Mahlzeit zu treffen. Dabei ist zu berücksichtigen,
1. daß die Mahlzeit zweckentsprechend, nicht zu einfach, nicht zu überreich zusammengestellt sei;
2. daß sie gehörige Abwechslung biete, ohne allzu schwerverdauliche Speisen;
3. daß sie von den vorhandenen Kräften gut zu bewältigen sei;
4. daß sie nicht die Mittel, die man sich ungefähr dafür gedacht hat, übersteigt.
Betreffs Abwechslung falsch gewählt wäre z. B. eine gebundene Suppe und nachher noch eine gebundene Sauce, oder zwei weiße, nach einanderfolgende Saucen. Ebensowenig zwei gehackte Fleifcharten, oder zwei weiße oder zwei schwarze Fleisch arten nacheinander.
Ein Menü, das allen bürgerlichen Anforderungen genügt, soll bestehen aus Suppe, Entrse, (Fl0836 Mo6 mit Gemüse (oder das Gemüse als 3. Gang mit Schinken, Junge oder Wurst garniert), dann Braten mit Salat und Dessert.
Unter Entrse versteht man das Gericht nach der Suppe, das die Mahlzeit einleitet. Dazu verwendet man fehr gern Fisch in allen Zubereitungsarten. Um etwas vorschaffen zu können, wählt man gern Salm oder Thon in Büchsen. Der Fisch wird sorgfältig herausgehoben, auf eine Platte dressiert und mit einer etwas dicken Mayonnaise bedeckt, die Platte hübsch mit gehackter Petersilie, gekochten harten Eiern, Kapern 2c. garniert. Das alles kann man ganz gut zum voraus machen und in die Küche stellen. Dann eignen sich als Entrse auch Vlätterteig-pastetchen oder Voi-an-vont mit Mitten, Hirn, Champignon oder Kügelifülle, gesottenes Huhn im Reisring, Käspastetchen, Käseauflauf, Kügeli-pastete. Das alles sind Gerichte, auf die ein ganzes Stück schwarzes Fleisch folgen muh. Also entweder Roastbeef, gebratenes Filet, gewöhnlicher Rindsbraten, Schafgigot, Rehrücken oder -Schlegel. Nach dieser pisos äs r68i3tano6 kommt nun der Braten, d. h. Geflügel und Salat; gewöhnlich Poulets (^onlßts äs Li-6886 gelten als die besten), oder auch Gans, Ente, Truthahn. Wenn der Salat erscheint, so wissen die Gäste, nun ist's Schluß der Herrlichkeiten, d. h. bis ans Dessert. Trägt man mit der Süßspeise gern den Herren unter den Gästen Rechnung, so wählt man etwas Kräftiges, z. B. Omsißtw au. lknN, Omsistts 80H.N66 mit Odan.äyan, Weincröme mit Backwerk, SchwarZbrotpudding mit Rhumsauce, Schwarzbrottorte und schwarzen Kaffee, auch Glace und Konfett. Wenn möglich, sollte man ein Dessert wählen, das auch zum voraus hergestellt werden kann. Immerhin wird es von den Gästen besonders hoch geschätzt, wenn man auch hierin eventuellen Liebhabereien ihrerseits Rechnung trägt.