Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

Erscheint wöchentlich. Abonnement jährlich Fr. 2.50; bei der Post bestellt 10 Cts. mehr; als Beilage zum "Schweiz. Familien-Wochenblatt" gratis. Inserate die kleine Zeile 25 Vts.
Verlag Th. Schröter, Obere Zäune 12, Zürich.
1904. 20. November. Inhalt: Schenken.  Einiges über Haarpflege.  Vermischtes  Handarbeit.  Mr die Küche.  Kochrezepte.  Briefwechsel der Abonnenten unter sich.  Kleine Rundschau.  Literatur.  Zur gefl. Notiz.  ReName.  Inserate.
Von Mari? Rasch.
(Schluß.)
Zu einer anderen Hochzeit stellten sich unter vielen andern Gästen auch zwei Onkels ein, die auf der letzten Kreuzungsstation vor den: Bestimmungsort zusammentrafen. Jeder führt eine Kiste bei sich, die derjenigen seines Gegenübers verzweifelt ähnlich sieht. Alsbald befragen und gestehen sie sich auch gegenseitig, daß jeder eine Petroleumhängelampe für das zu beschenkende Brautpaar mitgebracht hat. Der poetische von beiden verschweigt nur, daß er ein sinniges Gedicht, darin von "Des Lichts gesell'ger Flamme" die Rede ist, in petto hat, womit er bei der feierlichen Uebcr-reichung den Vogel abzuschießen gedenkt. Sie trösten sich auch leicht über die gleichen Geschenke, da das Pärchen ja ein eigenes Haus mit mehreren Zimmern bewohnen wird und deshalb gut zwei Lampen gebrauchen kann, zumal die eine mit Majolikaverzierung, die andere von Kupfer und Schmiedeeisen ist. Am Ziel empfängt der Bräutigam die beiden würdigen Herren, und da der Weg sie an seinem künftigen Heim vorüberführt, kann er sich nicht versagen, ihnen dasselbe zu zeigen, und das erste, was er mit Stolz vorführt, ist die elektrische Beleuchtungsanlage im ganzen Hause. "Ah!"  nicht allzu geistreich schauen die beiden sich an.
Noch ein ältliches Tantchen war gleichzeitig gekommen, so eine Gestalt, die niemals in und aus der Mode kommt, bescheiden, hilfreich, überall zu gebrauchen und doch von keinem recht beachtet. Weil niemand anders zur Stelle und sie doch das Bedürfnis nach Mitteilung empfanden, vertrauten die beiden Lampenonkels sich ihr an. "Was tun?" hieß es, "Vase Lottchen, Du hast doch vielleicht eine Ahnung, was man schnell noch beschaffen könnte! Die verd......
Lampen muffen wir natürlich wieder mitnehmen." "Ach, und mein schönes Gedicht!"
entschlüpfte es dem Onkel August nun doch, "Schaut Euch nur um. Ihr Herren," erwiderte Lottchen, "woran fehlt's noch in dieser Eleganz und Neuheit? Wenn ich z. B. Euren Geldbeutel und obendrein Dem poetisches Talent hätte, Vetter August, dann hinge ich an diese kahlen Wände wenigstens ein schönes Bild und schriebe einen Vers darunter." "Wahrhaftig. Lottchen, das ginge!" Fort eilten sie. und der Kunsthändler, dem sie in die Arme liefen, freute sich. Der eine kaufte die Sixtiniscke Madonna, der andere De-freggers Salomiroler, und der Bers, den Onkel August daran schrieb, lautete ungefähr, da er sich von seinem ersten Poem nicht ganz trennen wollte:
Selbst auf hohem Bergeskamme Strahlt des Lichts gesell'ge Flamme, Und bei ihrem Schein wird's wohler
Auch dem städtischen Tiroler.....
Tante Lottchen leistete Beistand, als die Bilder aufgehängt wurden, die Madonna im Salon, der Tiroler im Eßzimmer; sie krabbelte dann noch ein Weilchen in der neuen Musterküche herum, deckte auf die Anrichte eine gestreifte Leinendecke, stellte einen geschnitzten Brotteller und ein passendes Salzfaß darauf und bekränzte alles mit Epheu-blättern und Rosmarin, auf die Decke hatte sie den Spruch gestickt:
Salz und Brot gebe Gott. Die Empfängerin dieser Gaben, die junge Braut von damals, hat mir später gesagt, daß keines von all den reichen Hochzeitsgeschenken, die sie im neuen Heim vorgefunden, sie so erfreut, sie so eigentümlich ergriffen hätte, wie diese bescheidene sinnige Gabe.
Nicht auf das Schenken allem, auch auf das wie kommt es an: eine hübsche Umhüllung, ein freundliches Begleitwort, Blumen, wo sie hinpassen, vermögen die geringste Kleinigkeit zu heben, ja zu verklären. Als Goethe im Auftrag Karl August's einst zum Jubiläum eines Bergbeamten in Ilmenau erschien, um demselben die Glück-